In den Release Notes der Claude Platform steht seit dem 3. November ein Eintrag, der drei Modelle nachrüstet: Claude Mythos 5, Claude Opus 4.7 und Claude Sonnet 4.6 setzen ab jetzt Anthropics Textwasserzeichen. Über die Funktionsweise des Wasserzeichens habe ich im August geschrieben.
Der Haken steht in einer Fußnote
Für Sonnet 4.6 gilt eine Einschränkung, und sie ist praktisch relevant: Setzt eine
Anfrage temperature, top_p oder top_k auf einen anderen als den Standardwert, trägt
die Antwort das Wasserzeichen möglicherweise nicht. Anthropic schreibt dazu, wer sich auf
das Zeichen verlässt, solle alle drei Parameter weglassen – „einschließlich solcher, die
ein Framework oder eine Client-Bibliothek für dich setzt“.
Das ist der unangenehme Teil. Viele SDK-Wrapper und Agenten-Frameworks setzen
temperature von sich aus, ohne dass man es merkt.
Wer jetzt dabei ist und wer nicht
Die Hilfeseite führt eine Tabelle. Textwasserzeichen auf den eigenen Oberflächen und bei den Cloud-Partnern haben inzwischen Fable 5.1 und 5, Mythos 5.1 und 5, Opus 5.5, 5, 4.8 und 4.7, Sonnet 5.5, 5 und 4.6 sowie Haiku 5.5.
Ohne Textwasserzeichen bleiben Opus 4.6, Opus 4.5, Sonnet 4.5 und Haiku 4.5. Dort gibt es nur Content Credentials nach dem C2PA-Standard für erzeugte Dateien. Die Ausrollung auf Amazon Bedrock soll bis zum 10. November abgeschlossen sein.
Warum Anthropic das tut
Hintergrund ist der Code of Practice zu Artikel 50(2) des EU AI Act, den Anthropic unterschrieben hat. Modelle, die ab dem 2. August 2026 in der EU starten, bringen die Markierung von Anfang an mit. Für ältere Modelle gibt es eine Übergangsfrist, und genau die wird jetzt abgearbeitet.
Technisch webt das Modell das Zeichen in den Text selbst. Es fügt keine Token und keine unsichtbaren Zeichen hinzu, verändert Bedeutung und Lesbarkeit nicht und enthält nichts über dich oder deine Organisation. Weil es Teil des Textes ist, wandert es beim Kopieren mit und übersteht manche Bearbeitung.
Die Erkennung ist weiter in einer geschlossenen Vorschau. Zugang haben Behörden, Strafverfolgung, Medien, Faktenprüfer, Forschung, Bildungseinrichtungen und Zivilgesellschaft in der EU – dazu Unternehmen, die ihre eigenen Claude-Ausgaben für die eigene Compliance prüfen müssen.
Wer sich darauf verlässt, muss seine Parameter kennen
Für die meisten ändert der Eintrag nichts. Interessant wird er für zwei Gruppen. Wer Claude-Texte in einem Produkt ausliefert und gegenüber Prüfern belegen muss, dass sie markiert sind, sollte die Sampling-Parameter in seinem Stack einmal durchgehen. Und wer umgekehrt darauf hofft, über das Wasserzeichen KI-Text zu erkennen, bekommt hier die nüchterne Antwort mitgeliefert: Ein gefundenes Zeichen ist ein Hinweis, kein Beweis, und ein fehlendes sagt noch weniger.