Nvidia verhandelt darüber, sein Investment in Reflection AI auszubauen oder das Startup zu kaufen. Das hat die Financial Times am Samstag berichtet, mit Quellen, die direkt mit der Sache zu tun haben. Reuters hat die Meldung aufgegriffen und ausdrücklich dazugeschrieben, sie nicht bestätigen zu können; Nvidia und Reflection haben am Wochenende nicht reagiert.
Die Gespräche sind früh. Sie könnten auch scheitern.
Drei Formen, eine davon umgeht die Kartellprüfung
Der FT zufolge sind mehrere Varianten im Spiel. Eine ist ein Acqui-Hire: Nvidia stellt das Personal ein und lizenziert die Technik, statt die Firma vollständig zu übernehmen. Damit ließe sich eine lange Kartellprüfung vermeiden.
Eine Einigung könnte in den nächsten Wochen fallen. Nvidia ist bei Reflection ohnehin schon drin, mit 800 Millionen Dollar.
Reflection ist zwei Jahre alt
Gegründet wurde die Firma 2024 von Misha Laskin und Ioannis Antonoglou, beide vorher bei DeepMind. Sie baut Werkzeuge, die Softwareentwicklung automatisieren. Laskin sagte CNBC im April, man sammle Geld bei einer Pre-Money-Bewertung von 25 Milliarden Dollar.
Am Montag hat Reflection sein erstes Modell mit offenen Gewichten veröffentlicht – Beam, 501 Milliarden Parameter. Die Ansage dazu war, bei Coding und Agenten-Aufgaben gegen die günstigen chinesischen Modelle anzutreten, gegen DeepSeek und Kimi.
Fünf Tage später verhandelt der größte Geldgeber über eine Übernahme. Das ist ein auffälliges Tempo.
Der Compute-Partner ist derselbe
Reflection ist auch die Firma, die im Juni einen Rechenkapazitäts-Vertrag über 6,3 Milliarden Dollar mit SpaceX geschlossen hat. Wer Reflection kauft, kauft also ein Modell, ein Entwicklerteam und eine Infrastrukturposition.
Nvidia hätte dann die offene Antwort im Haus
Nvidia verdient an jedem Modell, das auf seinen Chips läuft, und müsste sich um einzelne Labore eigentlich nicht kümmern. Bei offenen Gewichten ist das anders: Wenn die günstigen chinesischen Modelle den offenen Teil des Marktes bestimmen, läuft die Nachfrage dorthin, wo Nvidia weniger zu sagen hat.
Beam ist genau dagegen gebaut. Die Technik dahinter könnte Nvidia wohl selbst bauen; die Position nicht. Darum geht es in diesen Gesprächen. Ein Acqui-Hire wäre dafür die schnellste Form, und die, die in Washington am wenigsten Fragen auslöst.