Am Dienstagmorgen hat ein einziger Bericht des Wall Street Journal die KI-Euphorie an der Börse abrupt gebremst. OpenAI hat mehrere interne Wachstumsziele verfehlt — und die Reaktion der Märkte war heftig.
Die Zahlen
OpenAI wollte bis Ende 2025 eine Milliarde wöchentlich aktive ChatGPT-Nutzer erreichen. Aktuell sind es rund 900 Millionen — beeindruckend, aber unter dem selbst gesteckten Ziel. Schwerer wiegt: Das Unternehmen hat Anfang 2026 mehrere monatliche Umsatzziele verfehlt.
Das klingt erstmal nach Kleinkram bei einem Unternehmen, das 2 Milliarden Dollar pro Monat umsetzt. Aber es gibt ein Problem: OpenAI hat sich auf rund 600 Milliarden Dollar an zukünftigen Rechenzentrumsausgaben festgelegt. Wenn die Einnahmen nicht wie geplant wachsen, wird diese Rechnung irgendwann zum Problem.
Der Konflikt an der Spitze
Besonders brisant: Laut Fortune gibt es Spannungen zwischen CFO Sarah Friar und CEO Sam Altman. Friar soll intern gewarnt haben, dass die explodierende Compute-Kosten die Einnahmen übersteigen könnten, wenn der Wachstumskurs nicht gehalten wird. Altmans Strategie war immer, dass Rechenkapazität der Flaschenhals ist — nicht die Nachfrage. Das könnte sich als Fehleinschätzung erweisen.
Die Marktreaktion
Oracle, das einen 300-Milliarden-Dollar-Deal über fünf Jahre mit OpenAI hat, fiel um mehr als 6 Prozent. Nvidia verlor rund 3 Prozent, AMD etwa 5 Prozent, Broadcom ebenfalls rund 3 Prozent. Der gesamte KI-Infrastruktursektor bekam einen Dämpfer.
Was das bedeutet
Es ist noch keine Krise. OpenAI generiert enormen Umsatz, hat gerade 122 Milliarden Dollar an Finanzierung eingesammelt und steht vor einer IPO. Aber die Nachricht untergräbt die Grundannahme, auf der das meiste KI-Investment basiert: dass die Nachfrage immer schneller wächst als das Angebot.
Wenn selbst OpenAI — das Unternehmen mit dem größten Consumer-Produkt im KI-Bereich — seine Wachstumsziele nicht erreicht, stellt sich die Frage: Wie realistisch sind die Milliarden-Wetten der gesamten Branche?
Für Anthropic und andere Wettbewerber ist das übrigens eine gemischte Nachricht. Einerseits zeigt es, dass der Markt vielleicht nicht so grenzenlos wächst wie erhofft. Andererseits macht es OpenAI angreifbarer — gerade jetzt, wo der Microsoft-Exklusivdeal aufgeweicht wurde.
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