Am Sonntagabend haben Microsoft und OpenAI ihren Partnerschaftsvertrag grundlegend überarbeitet. Was 2019 als exklusive Cloud-Partnerschaft begann, ist jetzt ein deutlich lockeres Arrangement — mit weitreichenden Konsequenzen für die gesamte KI-Branche.
Was sich ändert
Der wichtigste Punkt: OpenAI ist nicht mehr an Azure gebunden. Die Produkte sollen weiterhin zuerst auf Azure erscheinen, aber OpenAI kann seine Dienste jetzt über jeden Cloud-Anbieter verkaufen. Das ist eine direkte Folge des 50-Milliarden-Dollar-Deals mit Amazon, der im Februar geschlossen wurde — und der ohne diese Vertragsänderung rechtlich problematisch gewesen wäre.
Weitere Kernpunkte der neuen Vereinbarung:
Microsoft zahlt keine Umsatzbeteiligung mehr an OpenAI. Umgekehrt zahlt OpenAI weiterhin eine Beteiligung an Microsoft, allerdings mit einer Obergrenze und nur bis 2030. Die IP-Lizenz für Microsofts Nutzung von OpenAI-Modellen läuft bis 2032, ist aber nicht mehr exklusiv. Microsoft bleibt als Großaktionär direkt am Unternehmenserfolg beteiligt.
Warum das jetzt passiert
OpenAI hat in den letzten Monaten massiv diversifiziert. Die 122-Milliarden-Dollar-Finanzierungsrunde Ende März, der Amazon-Deal, die bevorstehende IPO — all das funktioniert nur, wenn OpenAI nicht mehr ausschließlich von einem einzigen Cloud-Partner abhängt.
Simon Willison hat es treffend formuliert: Die alte AGI-Klausel, die Microsoft theoretisch den Zugang zu OpenAIs Technologie hätte entziehen können, ist jetzt endgültig Geschichte. Das war einer der bizarrsten Aspekte des ursprünglichen Deals — und gleichzeitig eine der größten Unsicherheiten für Investoren.
Was das für die KI-Branche bedeutet
Für AWS und Google Cloud ist das ein Gewinn. OpenAI-Modelle auf ihrer Infrastruktur bedeuten mehr Kunden, mehr Umsatz, mehr Relevanz im KI-Rennen. Für Microsoft ist es ein kalkuliertes Risiko: Sie verlieren Exklusivität, behalten aber ihre Beteiligung an einem Unternehmen, das mit 852 Milliarden Dollar bewertet wird.
Interessant ist auch das Timing. Am selben Wochenende wurde bekannt, dass OpenAI seine eigenen Wachstumsziele verfehlt hat. Der neue Deal gibt OpenAI mehr Freiheit, neue Einnahmequellen zu erschließen — und das scheint dringend nötig zu sein.
Für uns als Nutzer ändert sich erstmal wenig. Aber langfristig könnte diese Öffnung bedeuten, dass OpenAI-Modelle überall verfügbar werden — nicht nur dort, wo Microsoft es erlaubt.
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