Elon Musk hat auf X bestätigt, was viele seit Wochen vermutet haben: xAI wird als eigenständiges Unternehmen aufgelöst. Grok, die Dateninfrastruktur und das gesamte KI-Team werden unter dem neuen Label ‘SpaceXAI’ direkt in SpaceX integriert. Damit endet eines der ambitioniertesten — und kurzlebigsten — KI-Startups der letzten Jahre.
Vom KI-Herausforderer zum GPU-Vermieter
Der Hintergrund ist pikant. Erst im Februar 2026 hatte SpaceX xAI in einer All-Stock-Transaktion übernommen — bewertet mit 250 Milliarden Dollar. Nun, nur drei Monate später, wird das Unternehmen de facto zerschlagen. Und was macht SpaceX mit dem riesigen Colossus-1-Rechenzentrum in Memphis, Tennessee? Es vermietet die komplette Rechenkapazität — über 220.000 Nvidia-GPUs — an Anthropic.
TechCrunch hat das treffend auf den Punkt gebracht: xAI ist jetzt ein ‘Neocloud’. Ein Unternehmen, das GPUs kauft und sie weitervermietet, statt damit eigene Frontier-Modelle zu trainieren. Für ein Unternehmen, das angetreten war, OpenAI und Anthropic Konkurrenz zu machen, ist das ein dramatischer Strategiewechsel.
Alle Mitgründer sind weg
Was die Sache noch deutlicher macht: Bis auf Musk selbst haben alle Mitgründer xAI inzwischen verlassen. Intern sollen Mitarbeiter laut Berichten andere KI-Modelle statt Grok verwendet haben — was zu einer Umstrukturierung und weiteren Entlassungen führte. Grok, das Chatbot-Produkt, hat außerhalb von X nie wirklich Fuß gefasst, besonders nicht im Enterprise-Bereich.
SpaceX-IPO als Treiber
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. SpaceX bereitet seinen Börsengang vor — mit einer angestrebten Bewertung von 1,75 Billionen Dollar. Eine funktionierende GPU-Vermietung an zahlende Kunden wie Anthropic sieht in einem IPO-Prospekt deutlich besser aus als ein defizitäres KI-Labor, das hinter der Konkurrenz hinterherhinkt.
Sean O’Kane vom TechCrunch Equity Podcast formulierte es so: Das Ganze sei ein ‘Major Heat Check’ vor dem Börsengang. Kurzfristig mag eine Neocloud ein glaubwürdigeres Geschäftsmodell sein, langfristig begeistert man damit aber keine Investoren, die auf Innovation setzen.
Was ich davon halte
Die Ironie ist schwer zu übersehen. Musk hat OpenAI mitgegründet, hat sich dann losgesagt, xAI gegründet — und vermietet jetzt seine GPUs an Anthropic, das Unternehmen, das von ehemaligen OpenAI-Forschern gegründet wurde. Der Kreis schließt sich, aber wahrscheinlich nicht so, wie Musk sich das vorgestellt hat.
Für Anthropic ist der Deal ein Glücksfall: 300 Megawatt zusätzliche Rechenkapazität, sofort verfügbar, genau in dem Moment, in dem die Nachfrage explodiert. Für xAI — oder SpaceXAI, wie es jetzt heißt — ist es das Eingeständnis, dass man im KI-Wettrennen nicht mehr mithalten kann.
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