Was passiert, wenn ein hochrangiger Politiker öffentlich vorschlägt, KI-Gewinne von Unternehmen an alle Bürger umzuverteilen? Die Antwort: Der Markt dreht durch.
Kim Yong-beom, Stabschef des südkoreanischen Präsidenten, hat auf Facebook eine ‘nationale Dividende’ vorgeschlagen. Die Idee: Eine Sondersteuer auf übermäßige KI-Gewinne, deren Erlöse an alle südkoreanischen Bürger ausgeschüttet werden. Ein Facebook-Post — kein Gesetzentwurf, kein offizieller Vorschlag. Und trotzdem hat er die Märkte in Aufruhr versetzt.
Die Reaktion der Börse
Der südkoreanische Kospi-Index stürzte um bis zu 5,1 Prozent ab — von seinem Allzeithoch. Samsung und andere Tech-Schwergewichte gerieten massiv unter Druck. Zwar erholte sich der Index teilweise, nachdem klargestellt wurde, dass Kim lediglich ‘überschüssige Steuereinnahmen’ umverteilen wolle und nicht eine neue Sondersteuer plane. Beamte betonten, es handele sich um Kims persönliche Meinung, nicht um offizielle Politik.
Aber der Schaden war angerichtet. Die Schockwellen erreichten auch Wall Street: Intel fiel um 10,5 Prozent (nachdem die Aktie sich im bisherigen Jahresverlauf verdreifacht hatte), Micron Technology um 9,8 Prozent. Die Rally der KI-Aktien pausierte weltweit.
Warum das über Südkorea hinaus wichtig ist
Die Debatte, wem die Gewinne der KI-Revolution gehören, wird uns noch lange begleiten. Südkorea ist nicht irgendein Land — es ist einer der wichtigsten Technologie-Standorte der Welt, Heimat von Samsung, SK Hynix und einem boomenden KI-Sektor. Wenn dort die Idee einer KI-Gewinnsteuer diskutiert wird, werden andere Länder genau hinsehen.
Die Gegner des Vorschlags in Korea sind laut: ‘Gefährlich und unverantwortlich’ nennen sie die Idee und fordern die sofortige Entlassung von Kim. Aber die Grundfrage bleibt: Wenn KI tatsächlich einen signifikanten Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung automatisiert — wer profitiert dann?
Meine Einschätzung
Es war ein Facebook-Post. Kein Gesetz, kein Dekret. Dass ein einzelner Social-Media-Post eines Politikers reicht, um Milliarden an Börsenwert zu vernichten, zeigt zwei Dinge: Erstens, wie nervös die Märkte beim Thema KI-Regulierung sind. Zweitens, dass die Frage der Gewinnverteilung in der KI-Ära politisch brandaktuell ist — auch wenn die Antworten noch fehlen.