Es ist jetzt offiziell: Das Pentagon hat Anthropic schriftlich mitgeteilt, dass das Unternehmen und seine Produkte als Supply-Chain-Risiko eingestuft werden. Anthropic ist damit das erste amerikanische Unternehmen überhaupt, das dieses Label bekommt — eine Bezeichnung, die normalerweise ausländischen Gegnern vorbehalten ist.
Was bedeutet das konkret?
Jedes Unternehmen und jede Behörde, die mit dem Pentagon zusammenarbeitet, muss ab sofort zertifizieren, dass es keine Anthropic-Modelle einsetzt. Für Rüstungsunternehmen wie Lockheed Martin heißt das: Claude aus der Lieferkette entfernen. Zehn Defense-Tech-Portfoliounternehmen haben laut CNBC bereits Abstand von Claude genommen.
Die Ironie dabei? Das US-Militär nutzt Claude gerade aktiv im Iran-Einsatz — über Palantirs Maven Smart System. Palantir-CEO Alex Karp hat sich in einem denkwürdigen Auftritt öffentlich darüber aufgeregt, dass der Streit zwischen Pentagon und Anthropic sein Kerngeschäft bedroht.
Trotzdem: Anthropic verhandelt wieder
Aber hier wird es interessant. Trotz der offiziellen Einstufung hat Dario Amodei die Gespräche mit dem Pentagon wieder aufgenommen. In einem öffentlichen Auftritt am 5. März sagte er, Anthropic versuche, die Situation zu deeskalieren und eine Einigung zu finden, die für beide Seiten funktioniert.
Seine Worte: Anthropic und das Verteidigungsministerium hätten viel mehr gemeinsam als sie trennt.
Das ist ein bemerkenswerter Ton nach Wochen der Eskalation. Zur Erinnerung: Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte die Supply-Chain-Risk-Einstufung vorangetrieben, nachdem Anthropic sich geweigert hatte, auf seine Safety-Bedingungen zu verzichten — keine Massenüberwachung von US-Bürgern, keine vollautonomen Waffen ohne menschliche Aufsicht.
Meine Einordnung
Was wir hier sehen, ist in der Tech-Geschichte beispiellos. Ein KI-Unternehmen, das auf seinen ethischen Grundsätzen besteht, dafür bestraft wird — und trotzdem den Dialog sucht. Gleichzeitig wächst Anthropics Consumer-Basis explosionsartig. Claude war letzte Woche die Nummer 1 im App Store, und Anthropic meldet Rekord-Anmeldezahlen.
Das Pentagon braucht Anthropic mehr als es zugeben will. Und Anthropic weiß, dass ein dauerhafter Ausschluss aus dem Regierungsgeschäft langfristig wehtut. Es wird spannend zu sehen, ob Amodei einen Kompromiss findet — oder ob die Fronten sich weiter verhärten.
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