Drei hochrangige Manager verlassen OpenAI am selben Tag, das Video-Tool Sora wird eingestellt, die Science-Abteilung aufgelöst. Was klingt wie eine Krise, ist laut OpenAI ein strategischer Umbau. Aber egal wie man es nennt — es ist ein harter Schnitt.
Wer geht und warum
Kevin Weil war CPO bei OpenAI, bevor er ‘OpenAI for Science’ übernahm — ein internes Forschungsprogramm zur Beschleunigung wissenschaftlicher Entdeckungen. Das Programm wird jetzt in bestehende Forschungsteams eingegliedert.
Bill Peebles war der Architekt hinter Sora. Er hat das Video-Tool gebaut, das bei seinem Launch die App Store-Charts gestürmt hat. Sein Kommentar zum Abschied ist bezeichnend: ‘Entropie zu kultivieren ist der einzige Weg, wie ein Forschungslabor langfristig überleben kann.’ Übersetzt: OpenAI hat keinen Platz mehr für Experimente abseits der Hauptstraße.
Srinivas Narayanan, CTO für Enterprise-Anwendungen, ging aus persönlichen Gründen — er wolle mehr Zeit mit der Familie verbringen.
Sora: Eine Million Dollar pro Tag Verlust
Sora wurde bereits letzten Monat abgeschaltet. Der Grund ist brutal pragmatisch: Das Tool verbrannte etwa eine Million Dollar täglich an Rechenkosten. Trotz seiner Wirkung auf die Branche war es wirtschaftlich nicht tragbar — besonders nicht für ein Unternehmen, das sich gerade von Consumer-Experimenten auf Enterprise-KI umorientiert.
Die Strategie dahinter
OpenAI nennt es ‘Seitenprojekte aufräumen’. Sam Altman fokussiert das Unternehmen auf eine ‘Superapp’ — ein zentrales Produkt, das alles kann, statt vieler spezialisierter Tools. Die Acqui-Hires der letzten Wochen (Finanz-Startup Hiro, Podcast-Firma TBPN) passen ins Bild: Content und Finanzdaten als Futter für den Hauptkanal.
Meine Einschätzung
Es ist immer ein Warnsignal, wenn ein Unternehmen drei Senior-Leute an einem Tag verliert. Aber es ist auch ehrlich. Sora war beeindruckend als Technologie-Demo, aber eine Million Dollar am Tag verbrennen ist kein Geschäftsmodell. Und Kevin Weils Science-Abteilung war ein nobles Experiment, das sich als Luxus herausstellte.
Was mich mehr beunruhigt: Bill Peebles’ Abschiedsworte klingen wie eine Diagnose. Wenn ein Forschungslabor keinen Raum mehr für Experimente hat, die nichts mit dem Quartalsziel zu tun haben — was bleibt dann? OpenAI wird gerade zum normalen Tech-Konzern. Ob das gut oder schlecht ist, hängt davon ab, was man sich von ihnen erhofft hat.
Quellen: