Am Donnerstag hat Anthropic ein neues Produkt vorgestellt, das in der Design-Welt sofort Wellen geschlagen hat: Claude Design. Die Idee dahinter ist simpel — du beschreibst, was du brauchst, und Claude baut dir daraus einen visuellen Entwurf. Prototypen, Pitch Decks, Landingpages, One-Pager, Marketing-Material. Alles im Gespräch, ohne Figma aufzumachen.
Was Claude Design kann
Das Tool läuft auf Claude Opus 4.7 und akzeptiert so ziemlich alles als Input: Text-Prompts, hochgeladene Bilder, DOCX- und PPTX-Dateien, Codebase-Referenzen, sogar Screenshots von Webseiten. Aus diesen Inputs baut Claude einen ersten Entwurf, den du dann per Inline-Kommentare, direkte Textbearbeitung oder über Custom-Slider für Spacing, Farben und Layout verfeinern kannst.
Besonders spannend: Claude Design kann das Design-System deines Teams automatisch erkennen. Es liest Codebases und Design-Dateien und wendet die Markenrichtlinien konsistent auf jedes Projekt an. Exportiert wird als PDF, PPTX, HTML oder direkt an Canva.
Die Claude Code-Brücke
Was Claude Design von Tools wie v0 oder Lovable unterscheidet, ist die nahtlose Integration mit Claude Code. Fertige Designs werden als ‘Handoff Bundle’ verpackt — mit allen Specs, die ein Entwickler braucht. Vom Prototyp zur funktionierenden Seite, ohne den Kontext zu verlieren.
Figma-Aktie unter Druck
Die Marktreaktion war heftig: Figmas Aktie fiel am Tag der Ankündigung um 7,28 Prozent auf 18,84 Dollar. Adobe verlor rund 1,5 Prozent. Pikantes Detail am Rande: Mike Krieger, Anthropics Chief Product Officer, war bis drei Tage vor dem Launch noch im Figma-Board — er trat am 14. April zurück, dem Tag, an dem erste Berichte über Claude Design auftauchten.
Wer zahlt, wer profitiert
Claude Design ist als Research Preview für alle Pro-, Max-, Team- und Enterprise-Abonnenten verfügbar — ohne Zusatzkosten, innerhalb der bestehenden Nutzungslimits. Erste Nutzer berichten allerdings von hohem Token-Verbrauch: Zwei Design-Sessions können laut Berichten auf X schon mal 58 Prozent des wöchentlichen Pro-Limits auffressen.
Meine Einschätzung
Ich bin ehrlich: Als jemand, der seit Monaten mit Claude Artifacts und HTML-Prototypen arbeitet, fühlt sich Claude Design wie der logische nächste Schritt an. Die Prompt-to-Prototype-Pipeline ist solide (v0 und Lovable hatten das zuerst), aber die automatische Design-System-Erkennung und der Claude Code-Handoff sind wirklich neu. Zusammen schließen sie die Lücke zwischen ‘Ich habe eine Idee’ und ‘Die Seite ist live’.
Ob Figma sich wirklich Sorgen machen muss? Für komplexe Design-Systeme mit hunderten Komponenten: noch nicht. Aber für schnelle Prototypen, Pitch Decks und Marketing-Material wird die Frage ab jetzt lauten: Warum sollte ich dafür ein separates Tool öffnen?
Quellen: