Während Anthropic gerade dafür kritisiert wird, dass Fable 5 heimlich an der Antwortqualität dreht, geht OpenAI in die andere Richtung — zumindest beim Gedächtnis. Seit dem 9. Juni rollt der Konzern eine Funktion aus, die genau das Gegenteil von Blackbox ist.
Was «Memory Sources» macht
Die neue Funktion heißt Memory Sources und gilt für alle ChatGPT-Modelle. Der Kern: Wann immer eine Antwort personalisiert wird, kannst du nachsehen, welcher Kontext dafür herangezogen wurde — gespeicherte Erinnerungen oder frühere Chats. Und wenn etwas veraltet oder schlicht falsch ist, kannst du es direkt korrigieren oder löschen.
Das klingt unspektakulär, ist aber ein wichtiger Schritt. Personalisierung ist praktisch, fühlt sich aber schnell unheimlich an, wenn man nicht weiß, woher das Modell seine Annahmen über einen nimmt. Memory Sources legt genau das offen.
Nebenbei: GPT-5.5 Instant wird nachgeschärft
Im selben Zug hat OpenAI das Standardmodell GPT-5.5 Instant für Free- und Go-Nutzer aufgefrischt. Laut OpenAI ist es jetzt zuverlässiger bei Fakten, antwortet knapper und auf den Punkt, überformatiert weniger und stellt seltener unnötige Rückfragen. Klingt nach Kosmetik, ist im Alltag aber genau das, was nervt oder eben nicht — und betrifft die breite Masse, die ohnehin beim Standardmodell bleibt.
Meine Einordnung
Der Kontrast zur Fable-5-Debatte ist fast zu schön: Die eine Firma versteckt, was sie tut, die andere macht es sichtbar. Klar, OpenAI redet hier über Gedächtnis, nicht über gedrosselte Fähigkeiten — das ist nicht dasselbe. Aber die Richtung stimmt. Transparenz darüber, was ein Modell über mich weiß und nutzt, sollte der Standard sein, nicht das Feature. Ich nehme es trotzdem gern mit.
Quellen: OpenAI, OpenAI Help Center