OpenAI hat am 20. Mai verkündet, dass eines seiner internen Reasoning-Modelle eigenständig eine 80 Jahre alte mathematische Vermutung widerlegt hat. Es geht um die Erdős-Einheitsdistanz-Vermutung — ein offenes Problem aus der diskreten Geometrie, das der legendäre Mathematiker Paul Erdős 1946 formulierte.
Was genau passiert ist
Das Modell hat einen 125-seitigen formalen Beweis produziert, der die Vermutung mit Methoden aus der algebraischen Zahlentheorie widerlegt. Das ist kein Prompt-Engineering-Trick: Das Modell hat den Beweis autonom entwickelt, nicht auf Anweisung eines Menschen Schritt für Schritt abgearbeitet.
Fields-Medaillen-Gewinner Tim Gowers hat den Beweis überprüft und als korrekt bestätigt. Er nannte es einen Meilenstein für KI in der Mathematik.
Warum das wichtig ist
Bisher konnten KI-Modelle bei Mathe-Problemen vor allem helfen, Beweise zu verifizieren oder bekannte Lösungswege schneller durchzurechnen. Dass ein Modell eigenständig einen neuen Beweis findet — für ein Problem, an dem menschliche Mathematiker seit 80 Jahren gescheitert sind — ist qualitativ etwas anderes.
Es zeigt, dass Reasoning-Modelle nicht nur bestehende Muster reproduzieren, sondern tatsächlich neue mathematische Einsichten generieren können. Das ist genau die Art von Fähigkeit, die OpenAI und andere Labs als Vorstufe zu AGI sehen.
Einordnung
Man sollte das nüchtern betrachten. Erdős hat hunderte offene Probleme hinterlassen, und nicht alle sind gleich schwer. Die Einheitsdistanz-Vermutung ist ein bekanntes Problem, aber kein Millennium-Problem. Trotzdem: Ein autonomer 125-seitiger Beweis mit korrekter algebraischer Zahlentheorie — das hat vor einem Jahr noch niemand für möglich gehalten.
Für den Wettbewerb zwischen den großen Labs ist es ein starkes Signal. Während Anthropic gerade die Bewertungsrekorde bricht, zeigt OpenAI, dass es bei den reinen Reasoning-Fähigkeiten seiner Modelle nach wie vor ganz vorne mitspielt.
Quellen: