Am selben Tag, an dem Meta und Microsoft zusammen über 20.000 Stellenstreichungen ankündigten, gaben dieselben Unternehmen bekannt, ihre KI-Ausgaben weiter massiv hochzufahren. Das ist kein Zufall — es ist das neue Normal.
Die Zahlen
Meta streicht 10 Prozent seiner Belegschaft: rund 8.000 Jobs, wirksam ab dem 20. Mai. Zusätzlich werden 6.000 offene Stellen gestrichen. In einem Memo an die Mitarbeiter sprach das Unternehmen von ‘fortgesetzten Effizienzbestrebungen, um die anderen Investitionen zu ermöglichen.’ Die Kapitalausgaben für 2026? Zwischen 115 und 135 Milliarden Dollar — fast das Doppelte der 72 Milliarden aus 2025.
Microsoft geht einen ungewöhnlichen Weg: Zum ersten Mal in 51 Jahren Firmengeschichte bietet der Konzern freiwillige Abfindungen an. Rund 7 Prozent der US-Belegschaft — etwa 8.750 Mitarbeiter — kommen in Frage. Die ‘Rule of 70’-Formel: Wer Alter plus Dienstjahre auf mindestens 70 bringt, kann das Angebot annehmen. Auffällig: KI- und Copilot-Teams sind explizit ausgenommen.
Das größere Bild
Die Zahlen gehen weit über Meta und Microsoft hinaus. Über 92.000 Tech-Beschäftigte haben 2026 bisher ihren Job verloren — insgesamt fast 900.000 seit 2020. Amazon hat seit Oktober mindestens 30.000 Stellen abgebaut, Snap 16 Prozent der Belegschaft, Nike 1.400 Jobs konzentriert in der Tech-Abteilung.
‘Das ist ein fundamentaler struktureller Wandel, keine vorübergehende Marktkorrektur,’ sagt Anthony Tuggle, ein Executive Coach mit KI-Hintergrund.
50-Personen-Einhörner
In der Startup-Welt zeichnet sich ein Muster ab: Unternehmen wachsen schneller mit deutlich weniger Leuten. VCs berichten, dass Startups mit 50 Mitarbeitern mittlerweile 50 Millionen Dollar Umsatz erreichen können — früher brauchte man dafür 250 Leute.
‘Wird es 50- oder 100-Personen-Unicorns und Decacorns geben? Absolut,’ sagt Zach Bratun-Glennon, Partner bei Gradient. ‘Kann man eine börsennotierte Firma mit 200 Mitarbeitern aufbauen? Absolut.‘
Was das für uns bedeutet
Die Tech-Optimisten sagen: Neue Technologien haben immer neue Jobs geschaffen. App-Entwickler gab es vor dem Smartphone auch nicht. Stimmt. Aber die Lücke zwischen Jobverlust und Jobschaffung wird gerade verdammt groß. Glassdoors Employee Confidence Index zeigt den größten Jahresrückgang im Vertrauen aller Branchen — minus 6,8 Prozentpunkte im Tech-Sektor.
Weniger Leute kündigen freiwillig, aus Angst vor dem instabilen Markt. Und das bedeutet paradoxerweise: Unternehmen werden aggressiver beim Rauswerfen.
Die Ironie ist schwer zu übersehen: Die Branche, die KI baut, leidet als erste unter ihren Konsequenzen.
Quellen: CNBC: 20,000 job cuts at Meta, Microsoft raise concern of AI labor crisis · CNBC: Meta will cut 10% of workforce · CNBC: Microsoft plans first voluntary retirement program