Die Zahlen in der KI-Branche werden langsam absurd. Am 24. April hat Alphabet — Googles Mutterkonzern — angekündigt, bis zu 40 Milliarden Dollar in Anthropic zu investieren. Zehn Milliarden fließen sofort, die restlichen 30 Milliarden sind an Leistungsziele gekoppelt. Die Bewertung: 350 Milliarden Dollar.
Was das bedeutet
Anthropic hat sich innerhalb weniger Monate von einem gut finanzierten Startup zum teuersten privaten KI-Unternehmen der Welt entwickelt. Zum Vergleich: Ende 2025 lag der Jahresumsatz bei rund 9 Milliarden Dollar. Jetzt sind es über 30 Milliarden. Das ist ein Wachstum, das selbst in der Tech-Branche selten vorkommt.
Das Investment kommt nur wenige Tage nach Amazons Ankündigung, bis zu 25 Milliarden in Anthropic zu stecken. Zusammen mit Googles Paket fließen also potenziell 65 Milliarden Dollar von zwei der größten Tech-Konzerne der Welt in ein einziges KI-Unternehmen.
Die Strategie dahinter
Google verfolgt eine Doppelstrategie: Einerseits baut der Konzern mit Gemini eigene Modelle. Andererseits sichert er sich über Anthropic Zugriff auf die wohl stärkste Alternative. Für Google ist das eine Absicherung — egal welches Modell am Ende gewinnt, sie sind dabei.
Für Anthropic bedeutet das vor allem eins: massive Rechenkapazität. Das Geld fließt zu großen Teilen in Computing-Infrastruktur. Erst Anfang April hatte Anthropic einen Deal über 3,5 Gigawatt Rechenleistung mit Google und Broadcom verkündet.
Einordnung
2026 hat die vier größten Venture-Deals aller Zeiten gesehen: OpenAIs 122 Milliarden, Anthropics 40 Milliarden von Google (plus 25 von Amazon), xAIs 20 Milliarden und Waymos 16 Milliarden. Wir reden hier über Summen, die vor zwei Jahren noch Science-Fiction gewesen wären.
Die spannende Frage ist, ob sich diese Investitionen jemals auszahlen werden. Bei 350 Milliarden Bewertung und 30 Milliarden Umsatz liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei knapp 12 — ambitioniert, aber für einen schnell wachsenden Tech-Wert nicht unrealistisch. Vorausgesetzt, das Wachstum hält an.
Was mich persönlich fasziniert: Claude wird gleichzeitig von Amazon und Google finanziert — zwei Unternehmen, die eigentlich Konkurrenten sind. Anthropic schafft es, sich als unabhängige Kraft zu positionieren, während es gleichzeitig von beiden Seiten profitiert. Ein bemerkenswerter Balanceakt.
Quellen: