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Ein Blog? Wer startet denn heute noch ein Blog?

Ein Blog über KI, das vermutlich hauptsächlich von KIs gelesen wird. Während Menschen längst ChatGPT fragen statt selbst zu lesen, starte ich trotzdem eins. Für mich selbst.

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Ein Blog. Im Jahr 2026. Ernsthaft?

Seien wir ehrlich: Die meisten “Besucher” dieses Blogs werden keine Menschen sein. Suchmaschinen-Crawler. KI-Trainingsdaten-Sammler. Und vor allem: Sprachmodelle, die Inhalte indexieren, um sie dann als Zusammenfassung an Menschen weiterzugeben, die lieber fragen als selbst zu lesen.

Ein Blog über KI, das vermutlich hauptsächlich von KIs gelesen wird. Das hat schon eine gewisse Ironie.

Früher war das Problem: Menschen lesen keine Blogs mehr, sie scrollen lieber TikTok. Heute ist das Problem ein anderes: Selbst wenn Menschen sich für ein Thema interessieren, fragen sie ChatGPT oder Claude – und die haben den Content längst konsumiert und geben ihn zusammengefasst wieder.

Ich schreibe also gewissermaßen für Maschinen, die es dann an Menschen weitererzählen. Eine Art stille Post, nur mit Algorithmen dazwischen.

Das interessiert mich aber erfreulicherweise nicht.

Die Sache mit dem öffentlichen Tagebuch

Blogs waren ursprünglich genau das: Web-Logs. Öffentliche Tagebücher. Orte, an denen Menschen aufschrieben, was sie dachten, lernten, erlebten. Ohne Redaktion. Ohne SEO-Optimierung. Ohne die Frage “Wird das viral?”.

Irgendwann wurden Blogs zu Content-Marketing-Instrumenten. Zu Lead-Magneten. Zu SEO-Spielwiesen. Das Format wurde professionalisiert, monetarisiert, optimiert – und verlor dabei oft das, was es ursprünglich ausgemacht hatte: echte Menschen, die echte Gedanken aufschreiben.

Ich möchte zurück zu dieser ursprünglichen Idee. Ein Ort, an dem ich festhalte, was mich beschäftigt. Was ich lerne. Worüber ich stolpere.

Warum gerade jetzt?

Ich arbeite täglich mit Sprachmodellen. Beruflich und privat. Ich baue MCP Server, experimentiere mit Claude, denke über die Zukunft von Arbeit nach. Dabei passieren ständig Dinge, die ich spannend finde. Beobachtungen, Fragen, kleine Aha-Momente.

Bisher verschwanden die meisten davon. In Chat-Verläufen. In Notizen, die ich nie wieder öffne. In Gesprächen, die ich vergesse.

Ein Blog zwingt mich, Gedanken zu Ende zu denken. Wenn ich etwas aufschreibe, das andere lesen könnten, muss ich mir überlegen: Ergibt das eigentlich Sinn? Kann ich das belegen? Fehlt da nicht ein wichtiger Aspekt?

Schreiben ist Denken, nur langsamer und gründlicher.

Was hier passieren wird

Keine festen Rubriken. Kein Redaktionsplan. Keine Versprechungen.

Wahrscheinlich: Beobachtungen zur Arbeit mit KI. Gedanken über Produktdesign und wie es sich verändert. Manchmal vielleicht technischere Sachen. Manchmal eher philosophische Fragen. Und ich werde eigene Projekte vorstellen – Dinge, die ich komplett oder teilweise mit KI gebaut habe. Keine polierten Case Studies, sondern ehrliche Einblicke: Was hat funktioniert, was nicht, was habe ich dabei gelernt.

Sicher: Unregelmäßig. Wenn mir etwas einfällt, das ich für aufschreibenswert halte.

Ich habe keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Expertise. Ich bin kein KI-Forscher. Kein Machine-Learning-Ingenieur. Ich bin jemand, der Produkte baut und dabei zuschaut, wie sich gerade sehr viel verändert.

Für mich selbst

Ich schreibe nicht für Reichweite. Nicht für SEO. Nicht für “Ruhm und Ehre”. Ich schreibe für mich selbst. Um Gedanken zu sortieren. Um Dinge festzuhalten, die ich sonst vergesse.

LinkedIn fühlt sich an wie eine permanente Bewerbung. Newsletter haben diesen seltsamen Druck der Regelmäßigkeit. Ein Blog steht einfach da. Wer will, kommt vorbei. Wer nicht will, nicht.

Und wenn ab und zu ein echter Mensch hier vorbeikommt – umso besser. Dann freue ich mich. Aber es ist keine Bedingung.

Oldschool, ja. Aber auch: entspannt.

Das Ding mit der KI

Eine Sache noch, weil es sonst vielleicht seltsam wirkt: Ja, ich nutze KI beim Schreiben. Claude ist mein Sparringspartner. Ich diskutiere Ideen, lasse mir Gegenargumente geben, bitte um Feedback zu Formulierungen.

Aber die Gedanken sind meine. Die Erfahrungen sind meine. Die Fehler wahrscheinlich auch.

KI ist für mich ein Werkzeug, kein Ghostwriter. Wie ein Lektor, mit dem man reden kann. Der manchmal gute Einwände hat und manchmal komplett danebenliegt.

Das passt auch zum Thema dieses Blogs. Ich schreibe über die Arbeit mit Sprachmodellen – natürlich nutze ich dabei selbst eins.