Wenige Wochen nachdem OpenAI seinen Sprachmodus überarbeitet hat, zieht Anthropic nach. Am Donnerstag hat das Unternehmen Claudes Voice Mode aufgewertet — und der Sprung ist größer, als es auf den ersten Blick wirkt.
Endlich Modellauswahl
Bisher lief der Sprachmodus, den Anthropic letztes Jahr gestartet hat, ausschließlich auf Haiku. Schnell in der Antwort, ja — aber für komplexere Aufgaben schlicht zu dünn. Das ändert sich jetzt: Du kannst zwischen Opus, Sonnet und Haiku wählen. Standardmäßig übernimmt Voice Mode das Modell, das du zuletzt im Textchat genutzt hast, und verwendet dessen schnellste Variante.
Das klingt nach einem kleinen Schalter, macht aber einen echten Unterschied. Mit einem stärkeren Modell im Rücken taugt der Sprachmodus plötzlich für längere Gespräche: Feedback zu deinem Kommunikationsstil, das Durchspielen eines Kunden-Pitches oder Brainstorming für eine Produktrecherche.
Es redet nicht nur — es handelt
Der eigentlich spannende Teil: Claudes Voice Mode kann auf andere Apps zugreifen — Gmail, Google Kalender, Slack, Canva und Notion. Du kannst also per Sprache einen Termin verschieben, eine E-Mail entwerfen oder ein Dokument in Notion anlegen. Genau hier liegt der Unterschied zu OpenAI: Deren Sprachmodus wurde zwar im Gesprächsstil aufpoliert, kann aber weiterhin keine Tools bedienen, um tatsächlich etwas zu erledigen.
Dazu kommt Mehrsprachigkeit im Beta-Stadium. Unterstützt werden aktuell Englisch, Französisch, Deutsch, Hindi, Indonesisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, brasilianisches Portugiesisch und Spanisch — die Sprache muss man allerdings noch manuell festlegen.
Verfügbar ist das Ganze für alle Nutzer, plattformübergreifend, als Beta. Gratis-Nutzer bleiben auf Haiku und eine einzige verbundene App beschränkt.
Meine Einordnung
Ein ehrlicher Punkt gehört dazu: Am eigentlichen Sprachmodell hat Anthropic nichts geändert und verrät auch nichts über den Voice-Stack. Wer sich also flüssigere Unterbrechungen oder ein natürlicheres Hin und Her erhofft — wie bei OpenAIs letztem Update — wird die nicht finden. Der Fortschritt liegt woanders: in der Intelligenz dahinter und in der Fähigkeit, per Stimme echte Arbeit anzustoßen. Und das passt exakt zu Anthropics Linie — Claude soll kein Plauderpartner sein, sondern ein Assistent, der Dinge erledigt. Sprache ist hier nur die Eingabemethode.
Quellen: