KI-Firmen bauen nicht nur Modelle — sie bauen auch Einfluss. Neue Zahlen zeigen, wie ernst es Anthropic und OpenAI mit Washington meinen: Im zweiten Quartal 2026 gaben beide zusammen 3,17 Millionen Dollar für Lobbyarbeit auf Bundesebene aus. Das sind 23 Prozent mehr als im ersten Quartal — und ein Rekord für beide Unternehmen.
Anthropic überholt Nvidia
Bemerkenswert ist die Aufteilung. Anthropic allein steckte 1,97 Millionen Dollar in Lobbying — mehr als Nvidia, der Chip-Gigant, an dem die halbe Branche hängt. OpenAI legte um rund 18 Prozent zu und landete bei 1,2 Millionen Dollar.
Gelobbyt wurde zu den Themen, die man erwartet, wenn zwei KI-Schwergewichte an die Tür der Politik klopfen: Cybersicherheit, Urheberrecht, Cloud-Computing und Beschaffung im Verteidigungsbereich. Es geht also nicht um abstrakte Prinzipien, sondern um handfeste Fragen — wer darf was, mit wessen Daten, für welche Behörde.
Warum gerade jetzt
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Beide Firmen steuern auf einen Börsengang zu und wollen die regulatorischen Leitplanken mitgestalten, bevor sie zementiert sind. Wenn Modelle immer stärker in Behörden, Militär und kritische Infrastruktur wandern, entscheidet Politik mit über den Markt. Lobbying ist da keine Nebensache mehr, sondern Teil der Produktstrategie.
Meine Einordnung
Ich finde die Zahl aus zwei Richtungen interessant. Zum einen zeigt sie, wie schnell aus Forschungslaboren politische Akteure werden — Anthropic, das sich gern als das vorsichtige, sicherheitsorientierte Unternehmen positioniert, gibt mehr fürs Lobbying aus als Nvidia. Zum anderen ist es ein nüchternes Signal: Wer bei KI mitspielen will, spielt auch in Washington mit. Ob das der Sache guttut, ist eine andere Frage. Klar ist nur — die Regeln für die nächste KI-Dekade werden gerade geschrieben, und die großen Anbieter wollen den Stift in der Hand haben.
Quellen: