Bisher war Claude in Slack ein Bot, den du angesprochen hast wie ein Nachschlagewerk. Mit Claude Tag dreht Anthropic das um: Claude wird zum festen Teammitglied im Channel. Du tagst @Claude, gibst ihm eine Aufgabe — und er arbeitet sie ab, während du dich um etwas anderes kümmerst.
Ein Claude für den ganzen Channel
Der entscheidende Unterschied zu einem normalen Chatbot: In einem Slack-Channel gibt es einen Claude, der mit allen interagiert. Jeder sieht, woran er gerade arbeitet, und jeder kann da weitermachen, wo der letzte aufgehört hat. Das fühlt sich weniger nach ‘Tool aufrufen’ an und mehr nach Zusammenarbeit mit einem Kollegen.
Dazu kommen vier Dinge, die Claude Tag von der alten App abheben. Erstens: Er lernt mit. Während er dem Channel folgt, baut er Kontext auf — du musst ihm die Dinge nicht jedes Mal von vorne erklären. Mit Erlaubnis zieht er sogar Wissen aus anderen Channels und Datenquellen (private Channels bleiben außen vor). Zweitens: Er ergreift Initiative. Im ‘Ambient’-Modus meldet er sich von selbst, flaggt relevante Infos und hakt bei Threads nach, die liegengeblieben sind. Drittens: Er arbeitet asynchron — du setzt eine Aufgabe ab und er werkelt über Stunden oder Tage daran, kann sich sogar selbst Aufgaben einplanen. Und viertens kannst du ihm per DM privat schreiben, mit deinen persönlichen Connectoren.
Fürs Enterprise gedacht
Anthropic baut das Ganze von Anfang an für Teams: Admins legen fest, auf welche Tools, Daten und Channels Claude zugreifen darf. Man kann getrennte Claude-Identitäten für verschiedene Abteilungen einrichten — der Sales-Claude reicht keine Memories an den Engineering-Claude weiter. Dazu Limits fürs Token-Budget pro Organisation und pro Channel sowie ein Log, das festhält, was Claude getan hat und wer es beauftragt hat.
Claude Tag läuft auf Opus 4.8 und ersetzt die bisherige ‘Claude in Slack’-App; zum Umstieg haben Admins 30 Tage Zeit, ein Startguthaben gibt es obendrauf. Verfügbar ist es ab sofort als Beta für Claude-Enterprise- und Team-Kunden. Anthropic nennt eine Zahl, die hängenbleibt: 65 % des Codes im eigenen Produktteam entstehen inzwischen über die interne Version von Claude Tag.
Meine Einordnung
Anthropic nennt Claude Tag selbst die nächste Stufe von Claude Code — und das trifft es. Der Sprung ist nicht ‘Claude kann jetzt auch Slack’, sondern dass Claude vom Werkzeug zum Mitspieler wird: einer, der sich erinnert, der mitdenkt und der nicht für eine Person, sondern fürs Team arbeitet. Spannend wird der Ambient-Modus. Ein Agent, der sich ungefragt meldet, kann Gold wert sein — oder zur Geräuschquelle werden. Das richtige Maß zu finden, wird die eigentliche Kunst. Aber die Richtung ist klar: weg vom Prompt-und-Antwort, hin zum Kollegen, den man eben antaggt.
Quellen: Anthropic: Introducing Claude Tag, TechCrunch, VentureBeat, SiliconANGLE