Es hat eine Weile gedauert. Aber jetzt rührt sich was.
Das Information Technology Industry Council (ITI) — ein Lobby-Verband, dem unter anderem Nvidia, Amazon, Apple und Google angehören — hat am Mittwoch einen Brief an Verteidigungsminister Pete Hegseth geschickt. Darin äußern die Unternehmen ihre ‘Besorgnis’ über die Einstufung von Anthropic als Lieferketten-Risiko.
Was in dem Brief steht
Der Kern der Nachricht: Die Einstufung gefährde den Zugang der US-Regierung zu den besten Produkten und Dienstleistungen amerikanischer Unternehmen. Wörtlich heißt es, die Maßnahme drohe, ‘den Zugang der Regierung zu erstklassigen Produkten und Dienstleistungen amerikanischer Unternehmen zu untergraben.’
Das ist diplomatisch formuliert, aber die Stoßrichtung ist deutlich. Wenn die Regierung ein US-Unternehmen per Dekret aus der Lieferkette verbannt — nicht wegen technischer Mängel, sondern wegen einer Vertragsdifferenz — dann betrifft das potenziell jeden Tech-Anbieter.
Warum das wichtig ist
Der Brief ist das erste signifikante Zeichen von Industrie-Solidarität mit Anthropic. Bisher hatten sich vor allem Tech-Mitarbeiter in offenen Briefen solidarisiert. Dass jetzt die Branchengrößen selbst Position beziehen, hat ein anderes Gewicht.
Denn parallel passiert genau das, wovor Anthropic gewarnt hat: Rüstungsunternehmen distanzieren sich. Laut CNBC haben mindestens zehn Unternehmen aus dem Portfolio des Risikokapitalgebers J2 Ventures ihren Einsatz von Claude für Verteidigungszwecke eingestellt. Auch Lockheed Martin soll dabei sein, Anthropics Technologie aus der Lieferkette zu entfernen.
Zwischen Solidarität und Eigeninteresse
Man muss das natürlich einordnen. Die ITI-Mitglieder handeln nicht aus reiner Nächstenliebe. Nvidia, Amazon und Apple haben alle eigene Geschäftsbeziehungen mit der US-Regierung — und keiner von ihnen möchte der Nächste sein, der per Tweet zum Sicherheitsrisiko erklärt wird.
Der Brief signalisiert trotzdem etwas Wichtiges: Die Tech-Branche hat verstanden, dass der Anthropic-Fall ein Präzedenzfall ist. Wenn die Regierung ein Unternehmen bestrafen kann, weil es bestimmte Nutzungsbedingungen nicht aufgibt, dann ist kein Anbieter sicher.
Für Anthropic dürfte der Brief ein kleiner Lichtblick in einer schwierigen Woche sein. Ob er etwas ändert, wird sich zeigen.
Quellen: