Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als die Schlagzeilen.
Während die halbe Welt über den Pentagon-Bann diskutiert, hat Bloomberg eine Zahl veröffentlicht, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte: Anthropic hat eine annualisierte Run Rate von fast 20 Milliarden Dollar erreicht. Ende 2025 waren es noch 9 Milliarden.
Das ist eine Verdopplung in wenigen Monaten.
Woher das Wachstum kommt
Der Großteil des Umsatzes stammt aus dem Enterprise-Geschäft. Unternehmen setzen Claude zunehmend für interne Workflows ein — von der Code-Generierung über Dokumentenanalyse bis hin zur Kundenbetreuung. Claude Code allein hat sich zu einem der wichtigsten Umsatztreiber entwickelt.
Dazu kommt der Streisand-Effekt des Pentagon-Streits: Seit Trumps Bann sind die Downloads der Claude-App explodiert. Die App stand tagelang auf Platz 1 im Apple App Store. Die Zahl der kostenlosen Nutzer ist seit Januar um über 60 Prozent gestiegen, die der zahlenden Abonnenten hat sich seit Oktober mehr als verdoppelt.
Was das im Kontext bedeutet
20 Milliarden Dollar Run Rate — das ist beeindruckend für ein Unternehmen, das vor drei Jahren noch kaum Umsatz machte. Zum Vergleich: OpenAIs letzte bekannte Run Rate lag bei etwa 12 Milliarden Dollar Ende 2025, bevor die 110-Milliarden-Finanzierung kam.
Aber es gibt einen Haken. Die Supply-Chain-Risk-Einstufung des Pentagons könnte genau das Enterprise-Geschäft treffen, das dieses Wachstum antreibt. Viele von Anthropics Großkunden haben auch Regierungsverträge. Wenn sie zwischen Claude und dem Pentagon wählen müssen, wird die Entscheidung nicht immer zugunsten von Anthropic ausfallen.
Meine Einschätzung
Die Zahlen zeigen, dass Anthropic kommerziell so stark dasteht wie nie. Das Pentagon-Problem ist real, aber es ist nicht alles. Der Großteil von Anthropics Geschäft hat nichts mit dem Militär zu tun. Solange Claude technisch überzeugt — und das tut es — wird das Wachstum weitergehen.
Die Frage ist nur, wie viel Schaden der politische Streit anrichtet, bevor er gelöst ist.
Quellen: