Es wird konkret. Laut einem Bloomberg-Bericht vom 15. Juli terminieren die Banken, die Anthropics Börsengang begleiten, in den kommenden Wochen die ersten Treffen zwischen dem Unternehmen und potenziellen Investoren. Das ist der Schritt, der normalerweise kurz vor der eigentlichen Roadshow kommt.
Der mögliche Termin für die Notierung: Oktober.
Wer daran verdient
Die drei umsatzstärksten Banken der Wall Street führen das Angebot an — Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan Chase. Anthropic hat seinen IPO-Prospekt bereits im Juni vertraulich bei der SEC eingereicht. Seitdem war es ruhig. Die Investorentreffen sind das Zeichen, dass die Vorbereitung in die heiße Phase geht.
Die Zahlen
- 965 Milliarden Dollar Bewertung nach der Finanzierungsrunde im Mai — damit hat Anthropic OpenAI erstmals überholt
- 227,5 Milliarden Dollar wurden 2026 weltweit über IPOs eingesammelt (ohne SPACs) — das stärkste Börsenjahr seit 2021
- OpenAI hat seinen eigenen Börsengang auf 2027 verschoben, weil Berater die Volatilität der Tech-Aktien fürchten
Heißt: Anthropic wäre zuerst dran. Auch vor DeepSeek, das ebenfalls einen IPO vorbereitet und seinen annualisierten Umsatz zuletzt auf 400 bis 500 Millionen Dollar gesteigert hat.
Warum jetzt
Der Antrieb ist banal und riesig zugleich: Compute kostet Geld. Frontier-Modelle zu trainieren und dann Millionen von Nutzern täglich auszuliefern, verschlingt Kapital in einer Größenordnung, die private Runden irgendwann nicht mehr abdecken. Anthropic geht dabei aus einer starken Position an den Markt — getragen vor allem von Enterprise-Nachfrage und den Coding-Tools rund um Claude Code.
Meine Einordnung
Ich habe hier im März schon über die ersten Oktober-Gerüchte geschrieben, im Juni über den vertraulichen S-1-Antrag. Was jetzt anders ist: Banken laden keine Investoren ein, um zu plaudern. Das ist der Punkt, an dem ein IPO aufhört, ein Plan zu sein, und anfängt, ein Termin zu werden.
Spannend wird für mich weniger das Datum als die Folge davon. Ein börsennotiertes Anthropic muss Quartalszahlen liefern. Ein Unternehmen, das sich seine Identität über Sicherheit, Zurückhaltung und den Long-Term Benefit Trust aufgebaut hat, bekommt dann einen zweiten, sehr lauten Stakeholder dazu. Wie das zusammengeht, ist die eigentliche Frage — nicht, ob die Aktie am ersten Tag steigt.
Quellen: