Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Anthropic ist dabei, OpenAI bei den Unternehmensausgaben zu überholen. Neue Daten des Finanzdienstleisters Ramp zeigen einen bemerkenswerten Trend.
Die Zahlen im Detail
Laut dem Ramp AI Index ist der Anteil der Unternehmen, die für Anthropic zahlen, von 24,4 % auf 30,6 % gestiegen. Das ist ein Sprung von 6,3 Prozentpunkten in einem einzigen Monat und übertrifft den bisherigen Rekord. OpenAI liegt bei 35,2 %, aber der Abstand beträgt nur noch 4,6 Prozentpunkte. Im Februar waren es noch 11.
Bei diesem Tempo, so die Analysten, könnte Anthropic OpenAI innerhalb der nächsten zwei Monate überholen.
Downloads erzählen die gleiche Geschichte
Auch bei den App-Downloads ist der Trend klar. Die Downloads der Claude-App haben sich im vergangenen Monat verdreifacht und liegen jetzt bei 21 Millionen. ChatGPT-Downloads stiegen im selben Zeitraum nur um 5 %. Noch bemerkenswerter: In den USA sind die wöchentlichen aktiven ChatGPT-Nutzer zum ersten Mal seit fast zwei Jahren im Monatsvergleich zurückgegangen.
Warum Unternehmen wechseln
Wer sich fragt, was diesen Shift antreibt, muss nur auf die Produktstrategie schauen. Anthropic hat in den letzten Monaten eine beeindruckende Serie abgeliefert: Claude Code als Terminal-basierter Coding-Agent, Cowork als Desktop-Automatisierung, Claude for Word als Office-Integration, Managed Agents für Enterprise-Deployments, und das MCP-Ökosystem als offener Standard.
Ramp selbst hat eine interessante Beobachtung: Je intensiver eine Branche KI nutzt, desto eher bevorzugt sie Anthropic gegenüber OpenAI. Bei VC-finanzierten Firmen liegt Anthropic mit 66 % bereits vor OpenAI mit 59 %. In den Sektoren Information, Finanzen und persönliche Dienstleistungen hat Anthropic ebenfalls die Nase vorn.
Meine Einordnung
Diese Daten sind ein Wendepunkt. Nicht weil OpenAI plötzlich schlecht wäre. Sondern weil Anthropic bewiesen hat, dass man ohne den First-Mover-Vorteil von ChatGPT trotzdem bei den zahlenden Geschäftskunden aufschließen kann. Das Produkt zählt mehr als der Name.
Natürlich hat OpenAI mit einem Umsatz von 2 Milliarden Dollar pro Monat und 900 Millionen wöchentlichen Nutzern weiterhin eine massive Reichweite. Aber im Enterprise-Segment, wo die Margen höher und die Verträge langfristiger sind, verschiebt sich das Gleichgewicht gerade spürbar.
Quellen: