Anthropic hat seinen Investoren mitgeteilt, dass das zweite Quartal 2026 das erste profitable in der Unternehmensgeschichte werden soll. Der prognostizierte Umsatz: rund 10,9 Milliarden Dollar — mehr als das Doppelte der 4,8 Milliarden aus Q1.
Von 80-fachem Wachstum zum Gewinn
Die Zahlen sind beeindruckend, fast schon absurd. CEO Dario Amodei hatte erst Anfang Mai von einem 80-fachen Umsatzwachstum im ersten Quartal gesprochen. Auf Jahresbasis liegt der Revenue Run Rate jetzt bei über 30 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Ende 2025 waren es noch rund 9 Milliarden.
Was das bedeutet? Anthropic wächst schneller als praktisch jedes Tech-Unternehmen zuvor. Und anders als viele KI-Startups verbrennt man dabei nicht nur Geld — man verdient es jetzt auch.
Die Kehrseite: Compute frisst Margen
Aber bevor jetzt jemand denkt, Anthropic sei über den Berg: Die Profitabilität könnte kurzfristig bleiben. Die massiven Compute-Deals — allein 1,25 Milliarden Dollar pro Monat an SpaceX für Rechenkapazität im Colossus-Rechenzentrum, dazu der 100-Milliarden-Deal mit AWS — werden die Kosten in den kommenden Quartalen wieder nach oben treiben.
Anthropic investiert gerade aggressiv in Infrastruktur: 50 Milliarden für amerikanische KI-Rechenzentren, Gespräche mit Microsoft über deren Maia-200-Chips, und ein 10-Jahres-Vertrag mit Amazon. Das alles kostet. Aber es zeigt auch, dass die Nachfrage nach Claude so hoch ist, dass man gar nicht schnell genug skalieren kann.
Was das für die Branche bedeutet
Anthropic verhandelt derzeit mit Investoren über eine neue Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von 900 Milliarden Dollar. Zum Kontext: Das wäre mehr als die meisten DAX-Unternehmen zusammen.
Für OpenAI wird es damit enger. Während Sam Altmans Unternehmen seinen Börsengang auf 2027 verschoben hat und noch keine Profitabilität in Sicht ist, liefert Anthropic jetzt Zahlen, die Investoren begeistern. Die CNBC-Disruptor-50-Liste hat Anthropic gerade auf Platz 1 gesetzt — vor OpenAI.
Meine Einordnung
Das erste profitable Quartal ist ein Signal, kein Dauerzustand. Anthropic zeigt damit aber etwas Wichtiges: Man kann ein KI-Frontier-Unternehmen betreiben, das nicht nur Geld verbrennt. Ob das nachhaltig ist, hängt davon ab, wie schnell die Einnahmen mit den explodierenden Compute-Kosten mithalten können. Aber Stand heute? Anthropic ist in einer beneidenswerten Position.
Quellen: