Es war Tim Cooks letzter großer Auftritt als Apple-CEO — und er hat ihn für die wohl wichtigste Siri-Ankündigung seit dem Original reserviert. Auf der WWDC 2026 hat Apple die komplett überarbeitete Siri AI vorgestellt. Und die größte Überraschung? Was unter der Haube steckt.
Siri kann jetzt reden — wirklich reden
Die neue Siri ist kein aufgehübschter Sprachassistent mehr. Apple hat aus Siri einen vollwertigen KI-Chatbot gemacht, der gegen ChatGPT, Claude und Gemini antritt. Du kannst jetzt echte Gespräche führen, hin und her, mit Kontext und Gedächtnis. Es gibt eine neue Siri-App mit Texteingabefeld, die auch auf iPads und Macs läuft. Und du kannst alte Gespräche und Ergebnisse wieder aufrufen.
Siri versteht jetzt mehrstufige Aufgaben, arbeitet app-übergreifend und kann sogar Feedback zu Dokumenten geben. Dazu kommen neue, natürlichere Stimmen.
Google und Nvidia unter der Haube
Hier wird es interessant: Die neuen Apple Foundation Models on Cloud basieren auf einer Zusammenarbeit mit Google. Apples Cloud-KI-Modelle laufen auf Nvidia-GPUs in Googles Cloud — mit Apples Datenschutzgarantien. Apple sagt, das Cloud-Pro-Modell sei vergleichbar mit Googles Gemini-Frontier-Modellen.
Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass Apple, Google und Nvidia gemeinsam an Apples KI-Infrastruktur arbeiten? Die Rivalitäten im Consumer-Bereich bestehen weiter, aber in der Cloud kooperieren die drei größten Tech-Unternehmen der Welt.
Spatial Reframing: KI verändert deine Fotos
Neben Siri hat Apple eine Funktion namens ‘Spatial Reframing’ vorgestellt. Damit kannst du den Winkel oder die Komposition eines bestehenden Fotos nachträglich ändern — die KI generiert eine neue Ansicht aus einem anderen Blickwinkel. Das klingt nach einem netten Spielzeug, aber für Fotografen und Content Creator könnte das ein echtes Werkzeug werden.
Aber nicht für Europa
Und dann der Haken: Siri AI wird in Europa und China nicht verfügbar sein. Apple nennt ‘regulatorische Herausforderungen’ als Grund. Der EU AI Act und Chinas KI-Regulierung machen es Apple offenbar zu kompliziert — oder zu riskant.
Für europäische Apple-Nutzer ist das bitter. Während die USA die volle KI-Integration bekommen, schauen wir in die Röhre. Ob das eine dauerhafte Einschränkung bleibt oder Apple nachliefert, ist offen.
Tim Cook geht, Ternus übernimmt
WWDC 2026 war Tim Cooks letzte Keynote. Am 1. September übernimmt John Ternus, der bisherige SVP für Hardware Engineering. Cook hat die Bühne für seinen Nachfolger bereitet — mit einer KI-Offensive, die zeigt, dass Apple die Aufholjagd ernst meint.
Meine Einordnung: Apple hat lange zugeschaut und jetzt auf einen Schlag alles nachgeholt. Die Partnerschaft mit Google und Nvidia ist clever — statt eigene Frontier-Modelle zu trainieren, nutzt Apple die besten verfügbaren. Die Europa-Sperre ist allerdings ein Warnsignal: Regulierung kann Innovation nicht nur bremsen, sondern ganze Regionen abhängen.
Quellen: TechCrunch, CNBC, SiliconANGLE, CNBC