SpaceX hat am Dienstag bestätigt: Der Raumfahrtkonzern übernimmt Anysphere, die Firma hinter dem KI-Coding-Tool Cursor, für 60 Milliarden Dollar in Aktien. Nur zwei Tage nach dem größten Börsengang aller Zeiten nutzt Elon Musk seine frische Börsenwährung für den größten KI-Deal der Geschichte.
Was passiert ist
Die Übernahme kommt nicht ganz überraschend. SpaceX hatte sich bereits im April eine Option gesichert: Entweder 10 Milliarden für eine Partnerschaft zahlen — oder später 60 Milliarden für die komplette Firma. Musk entschied sich in nur zwei Handelstagen für die große Variante.
Cursor ist einer der beliebtesten KI-Coding-Assistenten am Markt. Anfang Juni lag der annualisierte Umsatz bei 4 Milliarden Dollar. Das Tool hat Millionen von Entwicklern, die damit täglich Code schreiben, refactoren und debuggen.
Warum das für Anthropic wichtig ist
Hier wird es für die Claude-Welt richtig interessant: Cursor war zeitweise für bis zu 50 Prozent von Anthropics Umsatz verantwortlich. Das Tool lief fast komplett auf Claude-Modellen. Diese Abhängigkeit hatte sich zuletzt gelockert — Cursor begann eigene Modelle zu entwickeln, und Anthropic stieg selbst ins Coding-Tool-Geschäft ein.
Trotzdem: Mit der SpaceX-Übernahme verschiebt sich das Kräfteverhältnis. SpaceX positioniert sich jetzt als Konkurrent zu Anthropic und OpenAI im Coding-Bereich. Die Frage ist: Bleibt Cursor auf Claude-Modellen, oder schwenkt es unter neuer Flagge auf eigene oder andere Modelle um?
Die Zahlen im Kontext
60 Milliarden Dollar für ein Coding-Tool — das muss man erstmal sacken lassen. Zum Vergleich: Anthropics letzte Bewertung lag bei rund 60 Milliarden Dollar. SpaceX zahlt also für Cursor ungefähr so viel, wie Anthropic insgesamt wert ist.
Der Deal soll im dritten Quartal abgeschlossen werden, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen.
Meine Einordnung
Das ist einer dieser Momente, wo sich die Tektonik der KI-Branche verschiebt. SpaceX war bisher kein KI-Player — jetzt sind sie mit einem Schlag einer der größten. Für Anthropic ist es ein Weckruf: Wenn dein größter Kunde von einem Konkurrenten geschluckt wird, musst du dein Geschäftsmodell diversifizieren. Claude Code, Cowork und die wachsende Enterprise-Kundschaft werden damit noch wichtiger.
Und für uns Entwickler? Cursor wird sich verändern. Ob zum Besseren oder Schlechteren, wird sich zeigen.
Quellen: TechCrunch, CNBC, Bloomberg