Sonnet 5 ist da, und auf den ersten Blick sieht der Preis attraktiv aus: 2 Dollar Input, 10 Dollar Output pro Million Tokens — ein Einführungspreis bis Ende August. Danach gelten die regulären 3/15 Dollar, also gleich wie Sonnet 4.6. Klingt nach ‘gleiches Modell, bessere Leistung, selber Preis’. Aber da steckt ein Haken drin.
Der neue Tokenizer
Sonnet 5 kommt mit einem neuen Tokenizer. Anthropic erwähnt das in den Release Notes fast beiläufig: Derselbe Input-Text erzeugt ungefähr 1,0 bis 1,35 Mal mehr Tokens als bei Sonnet 4.6.
Simon Willison hat das genauer nachgemessen — und kommt auf teils deutlichere Werte:
- Englischer Text: ~1,42x mehr Tokens
- Spanischer Text: ~1,33x mehr Tokens
- Python-Code: ~1,28x mehr Tokens
- Chinesisch (vereinfacht): ~1,01x (praktisch gleich)
Das heißt: Wenn du vorher 1.000 Tokens für einen englischen Text gezahlt hast, zahlst du jetzt 1.420 — für exakt denselben Text.
Was das für die Kosten bedeutet
Beim Einführungspreis von 2/10 Dollar relativiert sich das. Willison rechnet vor: Für englischen Text landest du effektiv bei ungefähr 2,84/14,20 Dollar pro Million ‘echte’ Tokens. Das liegt knapp unter den alten 3/15 Dollar von Sonnet 4.6. Also quasi kostenneutral — mit besserem Modell.
Aber: Ab September gelten die regulären 3/15 Dollar. Und dann wird derselbe englische Text effektiv ~4,26/21,30 Dollar pro Million kosten. Das sind gut 40% mehr als bei Sonnet 4.6. Für Code-lastige Workloads sind es immerhin noch ~28% mehr.
Wer hauptsächlich auf Chinesisch arbeitet, bemerkt praktisch keinen Unterschied. Aber für die meisten westlichen Sprachen und Code ist das eine echte Preiserhöhung — verpackt als technische Änderung.
Warum der neue Tokenizer?
Anthropic begründet die Änderung nicht im Detail. Neue Tokenizer können die Modellqualität verbessern, weil sie feinere Sprachstrukturen erfassen. Das ist ein legitimer technischer Trade-off. Aber die Kommunikation ist irreführend, wenn der Listenpreis gleich bleibt und der Tokenizer-Effekt nur in einer Fußnote steht.
Meine Einordnung
Ich finde die Einführungsphase fair — bis Ende August zahlst du effektiv weniger oder gleich viel wie vorher und bekommst ein besseres Modell. Aber die Kommunikation nach September wird spannend. Wenn Anthropic den regulären Preis bei 3/15 Dollar lässt und der Tokenizer 30-40% mehr Tokens erzeugt, ist das de facto eine Preiserhöhung. Ob man das ‘versteckt’ nennt oder ‘technisch bedingt’, ist Ansichtssache. Finout hat das Ganze übrigens sehr detailliert aufgeschlüsselt — lesenswert.
Quellen: Simon Willison: What’s new in Claude Sonnet 5 · Finout: Claude Sonnet 5 Pricing 2026 · Anthropic: Claude Sonnet 5