Die Geschichte zwischen Anthropic und dem Pentagon wird nicht einfacher — sondern komplizierter. Am 7. Mai hat Emil Michael, Under Secretary of Defense for Research and Engineering, auf der AI+ Expo in Washington klargestellt: Eine Versöhnung mit Anthropic ist ausgeschlossen.
‘Nie wieder von einem einzigen Modell abhängig’
Michaels Aussage war unmissverständlich. Auf die Frage, ob Anthropic jemals wieder einen Deal für klassifizierte Netzwerke bekommen könnte, antwortete er: ‘Not at the Department of War.’ Das Pentagon hat inzwischen Verträge mit acht anderen Unternehmen geschlossen — darunter Microsoft, Google und xAI.
Der Hintergrund: Vor gut zwei Monaten hatte das Pentagon Anthropic als ‘Supply Chain Risk’ eingestuft und von der militärischen Zusammenarbeit ausgeschlossen. Der Grund war ein Streit über Sicherheitsauflagen bei der Nutzung von KI-Modellen für Überwachung und autonome Angriffe.
Das Mythos-Paradox
Während das Pentagon Anthropic auf der schwarzen Liste hält, nutzt die NSA bereits Mythos Preview — Anthropics mächtigstes Cybersicherheitsmodell. Mythos kann jahrzehntealte Schwachstellen in Browsern, Infrastruktur und Software aufspüren.
Michael selbst bezeichnet die Situation als ‘Cyber Moment’: ‘Das Mythos-Thema ist ein separater nationaler Sicherheitsmoment. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Netzwerke gehärtet werden.’
Das ist ein bemerkenswerter Widerspruch. Das Pentagon will nichts mit Anthropic zu tun haben — aber die Technologie, die Anthropic baut, ist genau das, was die nationale Sicherheit braucht.
Weißes Haus sieht es anders
Während Michael hart bleibt, hat das Weiße Haus seinen Ton deutlich verändert. Mehrere hochrangige Beamte — Finanzminister Bessent, Fed-Chef Powell und Berichten zufolge Stabschefin Susie Wiles — haben mit Anthropic über Mythos gesprochen.
Sogar Trump selbst äußerte sich überraschend positiv: ‘Sie sind sehr klug, und ich denke, sie können sehr nützlich sein. Ich mag kluge Leute.’
Die Frage ist, ob das Pentagon seinen Kurs halten kann, wenn das Weiße Haus in eine andere Richtung driftet. Und ob Anthropics Entscheidung, bei seinen Sicherheitsprinzipien zu bleiben, sich langfristig auszahlt — oder ob der Ausschluss aus dem Verteidigungsbereich ein dauerhafter Nachteil bleibt.
Eins ist klar: Die Lage ist alles andere als gelöst.
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