Die Coding-Agenten rüsten auf. OpenAI bringt seinen leistungsstärksten Modus — «Ultra» — in Codex, seinen Konkurrenten zu Claude Code. Der Kern: Statt ein einzelner Agent an einer Aufgabe zu arbeiten, koordiniert Ultra mehrere Sub-Agenten, die parallel an verschiedenen Teilen werkeln.
Was Ultra macht
Ultra ist die höchste Stufe der GPT-5.6-Familie, die OpenAI am 9. Juli gestartet hatte. Der Modus zerlegt eine komplexe Aufgabe in Teile und lässt für jeden Teil einen eigenen Sub-Agenten laufen. Ein Root-Agent verteilt die Arbeit, die Sub-Agenten arbeiten gleichzeitig, und am Ende werden die Ergebnisse in einer Antwort zusammengeführt. Der Sinn: Wer eine Aufgabe sinnvoll aufteilen kann, wird schneller fertig.
In Codex ist Ultra für Nutzer ab dem Plus-Plan verfügbar, in ChatGPT Work für Pro und Enterprise. Die Multi-Agenten-Funktion läuft noch als Beta.
Warum das ein Angriff auf Anthropic ist
Für Leser dieses Blogs ist das aus einem Grund interessant: Claude Code kann das längst. Anthropic hat Sub-Agenten früh eingebaut, und in den letzten Releases sogar verschachtelte Sub-Agenten ergänzt — Agenten, die selbst wieder Agenten starten, standardmäßig bis zu drei Ebenen tief. Orchestrierung mehrerer Modelle ist bei Claude Code Alltag.
Dass OpenAI jetzt nachzieht und Multi-Agenten prominent in Codex platziert, zeigt vor allem eins: Der einzelne, allwissende Agent ist nicht mehr das Ziel. Der Wettbewerb verlagert sich auf die Frage, wer viele Agenten am besten koordiniert — schnell, günstig und ohne dass am Ende Chaos herauskommt.
Meine Einordnung
Ich bin bei diesen Multi-Agenten-Versprechen vorsichtig optimistisch. Parallelität klingt großartig — und für klar teilbare Aufgaben (mehrere Dateien, unabhängige Tests, getrennte Module) ist sie es auch. Aber sie hat einen Preis: mehr Tokens, mehr Koordinationsaufwand, mehr Stellen, an denen etwas schiefgehen kann. Nicht jede Aufgabe wird durch fünf Agenten besser. Manche wird nur teurer.
Für mich ist der eigentliche Gewinn nicht der Modus selbst, sondern der Wettbewerb dahinter. Wenn OpenAI und Anthropic sich beim Thema Orchestrierung gegenseitig treiben, profitieren am Ende wir — die Leute, die diese Werkzeuge täglich benutzen. Ich bleibe trotzdem bei meiner Faustregel: Erst verstehen, was der Agent tun soll. Dann entscheiden, ob es wirklich fünf davon braucht.
Quellen: