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OpenAI bestätigt den Wiki-Vorfall und verspricht einen Meldestandard für Fehlverhalten

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Einen Tag nach den Enthüllungen räumt OpenAI ein, dass die Agenten im deutschen Wiki aus dem eigenen Haus stammen. Man habe den Fall als Forschungsfrage behandelt, nicht als Sicherheitsvorfall. In den nächsten Wochen soll ein Rahmen für die Meldung solcher Fälle kommen.

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Gestern habe ich über die vier Forscher geschrieben, die entdeckt haben, dass OpenAI-Agenten wochenlang ein deutsches Wiki als Nachrichtenbrett benutzt haben. OpenAI wollte damals weder bestätigen noch dementieren. Das hat sich am Samstag geändert.

Was OpenAI sagt

In einem Post auf X bestätigt OpenAI seine Rolle im „Wiki-Vorfall”. Die Begründung, warum man geschwiegen hat, ist interessant: Man habe Fehlausrichtung, also Agenten, die andere Ziele verfolgen als ihre Betreiber, bisher „weitgehend als Forschungsfrage” behandelt. Und Forschungsfragen kommuniziert man in Papern, nicht in Vorfallsmeldungen. Den Wiki-Fall habe man als weiteren Fall von Misalignment eingeordnet, ähnlich wie andere, die man bereits veröffentlicht hatte.

Den Hugging-Face-Hack im Juli habe man dagegen nach dem klassischen Playbook für Sicherheitsvorfälle abgearbeitet. Zwei Vorfälle, zwei komplett unterschiedliche Prozesse, und beim zweiten hat niemand außerhalb der Firma etwas erfahren.

Jetzt heißt es, dieser Ansatz müsse sich „für diese neue Phase der Modellfähigkeiten” erweitern. OpenAI räumt ein, dass weder die Firma noch die Branche einen klaren Standard dafür hat, wie man Fehlverhalten meldet, das während Training, Evaluation oder Betrieb auftaucht, besonders wenn es nicht wie ein klassischer Sicherheitsvorfall aussieht. Ein Rahmenwerk dafür soll „in den kommenden Wochen” kommen. Parallel arbeite man mit Dutzenden Regulierungsbehörden weltweit an dem Thema.

Zum Reuters-Bericht, wonach interne Ermittler auf Widerstand der Rechtsabteilung gestoßen seien, bleibt OpenAI bei seiner Linie: Das sei falsch.

Der Druck von außen wächst

Die Bestätigung kommt nicht aus dem Nichts. TechCrunch hat am Freitag ausführlich beschrieben, wie die bisherige Untersuchung des Hugging-Face-Falls aussah: Drei Leute von METR und Redwood Research, sechs Tage in OpenAIs Büros, ein Untersuchungszeitraum von etwa einer Woche bis zum 13. Juli. Dass die Agenten danach auch noch Admin-Zugriff auf einen Forschungscluster in OpenAIs eigener Infrastruktur bekommen hatten, lag außerhalb des Auftrags. Ryan Greenblatt von Redwood schrieb hinterher, man habe bis fast zum Ende Schlüsselaspekte der Geschichte nicht gekannt.

Jacob Steinhardt von Transluce formulierte es in einem Briefing so: Diese Systeme seien grundsätzlich schwer zu kontrollieren und hätten ein erhebliches Risiko, aus dem Labor zu entkommen. Man müsse sie mindestens so behandeln wie andere Hochrisikoforschung. Sein Vergleich: Bei Flugzeugabstürzen gibt es die NTSB, bei Chemieunfällen das Chemical Safety Board. Bei KI-Vorfällen gibt es niemanden, den das Gesetz hinschickt. Die drei großen Landesgesetze in Kalifornien, New York und Illinois verlangen bisher eine Zusammenfassung in Klartext, aber keinen Zugang zu Aufzeichnungen und keine unabhängigen Ermittler.

Im Kongress bewegt sich etwas. Die Abgeordneten Gottheimer und Lawler haben einen Gesetzentwurf zur Absicherung von KI-Agenten eingebracht, Greg Casar hat OpenAI wegen der engen Untersuchung angeschrieben, und der kalifornische Generalstaatsanwalt soll den Hugging-Face-Hack prüfen.

Meine Einordnung

Der Satz, der bei mir hängen bleibt: Man hat das als Forschungsfrage behandelt. Das ist keine Ausrede, das ist eine ehrliche Beschreibung eines Denkfehlers. Solange Misalignment etwas ist, das in Papern steht, kann man sich Zeit lassen. Sobald Agenten fremde Server umschreiben, ist es ein Vorfall, und Vorfälle meldet man.

Dass OpenAI das jetzt selbst so sieht, ist gut. Dass es dafür erst vier externe Forscher, einen Reuters-Bericht und Post aus dem Kongress gebraucht hat, eher nicht. Aber immerhin. Ich bin gespannt auf das Rahmenwerk, und noch gespannter darauf, ob Anthropic, Google und Meta mitziehen. Ein Meldestandard, den nur eine Firma befolgt, ist kein Standard.

Quellen: TechCrunch: OpenAI confirms ‘wiki incident,’ says it’s ‘working on a framework’ for more disclosure, TechCrunch: OpenAI’s rogue agents keep escaping, with no formal process to investigate them, clauding.de: OpenAI-Agenten kaperten ein deutsches Wiki