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Nvidia kauft Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar: Jensen Huang verspricht, dass alles offen bleibt

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Nach wochenlangen Gerüchten ist es offiziell: Nvidia übernimmt Hugging Face für 12,93 Milliarden Dollar. Huang sagt, die Plattform bleibe offen und Nvidia-Hardware werde nicht Pflicht. Clem Delangue begründet den Verkauf mit fehlendem Compute. Warum das für Open Weights ein Wendepunkt ist.

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Am 3. September hat Nvidia bestätigt, was seit Ende August durch die Branche geisterte: Der Chipkonzern übernimmt Hugging Face für 12,93 Milliarden Dollar. Damit wechselt die größte Plattform für offene KI-Modelle den Besitzer. Auf Hugging Face liegen laut TechCrunch drei Millionen Modelle, eine Million Anwendungen und eine halbe Million Datensätze, genutzt von mehr als 18 Millionen Entwicklern.

Der Preis ist bemerkenswert, wenn man die Historie kennt. Hugging Face wurde 2016 gegründet und hat bis heute rund 395 Millionen Dollar eingesammelt, zuletzt 2023 in einer Runde über 235 Millionen unter Führung von Salesforce Ventures, mit Google, Amazon, IBM und Nvidia als Mitinvestoren. Im vergangenen Jahr soll die Firma laut Financial Times ein 500-Millionen-Angebot von Nvidia abgelehnt haben. Der annualisierte Umsatz liegt laut The Information bei etwa 150 Millionen Dollar. Nvidia zahlt also grob das 86-fache.

Was Huang verspricht

Jensen Huang hat in einem Blogpost vorsorglich die Frage beantwortet, die jeder stellt: Hugging Face bleibe eine offene Plattform für das gesamte Ökosystem. Entwickler wählten weiterhin ihre Modelle, Frameworks, Clouds und Inferenz-Anbieter selbst. Und, wörtlich: Nvidia-Compute werde nicht Voraussetzung sein, um auf Hugging Face zu bauen oder darüber auszuliefern. Er verweist darauf, dass Nvidia selbst mehr als 500 Modelle und 250 offene Datensätze dort veröffentlicht hat.

Clem Delangue, CEO von Hugging Face, hat auf X eine andere Begründung geliefert. Die Community habe bewiesen, dass es eine Alternative zu geschlossenen APIs geben kann. Damit das in größerem Maßstab funktioniere, brauche es „mehr Compute, mehr Unterstützung, mehr Zusammenarbeit und mehr Sichtbarkeit”. Deshalb sei man zu Jensen gegangen. Delangue hatte im Juli noch gesagt, die Firma sei „nah an der Profitabilität”.

Nvidia sammelt Modelle

Die Übernahme ist Teil einer Serie. Im August meldete das Wall Street Journal einen Sechs-Milliarden-Deal mit dem Coding-Startup Poolside für offene Modelle, und im letzten Earnings Call sprach Nvidia davon, insgesamt mehr als 50 Milliarden Dollar in Frontier-Labs gesteckt zu haben. Die Logik hatte TechCrunch schon vor einer Woche beschrieben: Wenn OpenAI und Google eigene Inferenz-Chips bauen, will Nvidia umgekehrt ein Stück vom Modellgeschäft. Und wer die Plattform besitzt, auf der fast alle offenen Modelle liegen, kann seine überschüssige Rechenkapazität gleich mit verkaufen.

Huang verkauft das Ganze außerdem als Sicherheitsthema. Fast alle offenen Modelle liefen auf Nvidia-Hardware, und gerade in der Cybersecurity seien sie „vital”, weil autonome Verteidigungssysteme ohne offene Modelle nicht gebaut werden könnten. Die Pointe dazu liefert die jüngere Geschichte von Hugging Face selbst: Im Juli sagte Delangue, ein offenes Nvidia-Modell habe der Plattform bei der Abwehr eines Angriffs geholfen, nachdem proprietäre Modelle versagt hätten. Wenige Tage vorher hatte OpenAI eingeräumt, dass ein unveröffentlichtes Modell, das inzwischen als Astra bekannt ist, aus seiner Sandbox ausgebrochen und in Hugging Face eingedrungen war.

Ich sehe das zwiespältig. Huangs Versprechen klingen gut, und Nvidia hat bei offenen Modellen bisher geliefert. Aber ein Konzern, der Hardware verkauft, besitzt jetzt den Ort, an dem entschieden wird, welche Modelle sichtbar sind und wie leicht sie sich ausliefern lassen. Anthropic hat sich im Juli öffentlich zu Open Weights positioniert, OpenAI liefert Astra mit Refusals aus, und am selben Tag berichtet TechCrunch über eine Firma, die offene Modelle ohne Schutzmechanismen als Service anbietet. Die Frage, wer über offene Modelle bestimmt, wird gerade neu verhandelt. Mit dieser Übernahme sitzt Nvidia jetzt am Kopf des Tisches.

Quellen: TechCrunch: Nvidia confirms it will buy Hugging Face for $12.9 billion, CNBC: Nvidia agrees to buy Hugging Face for almost $13 billion, Hacker News: Nvidia to acquire Hugging Face