Anthropic hat gestern eine Personalie bekannt gegeben, die auf den ersten Blick überrascht: Vas Narasimhan, CEO von Novartis und einer der einflussreichsten Pharma-Manager weltweit, sitzt jetzt im Board of Directors.
Wer ist Narasimhan?
Vas Narasimhan ist Arzt und Wissenschaftler, bevor er Manager wurde. Er hat an HIV/AIDS-, Malaria- und Tuberkulose-Programmen in Indien, Afrika und Südamerika gearbeitet. Bei Novartis hat er die Entwicklung und Zulassung von über 35 neuartigen Medikamenten verantwortet — in einer der am stärksten regulierten Branchen überhaupt. Er ist Mitglied der US National Academy of Medicine und Trustee an der University of Chicago und der Harvard Medical School.
Warum das wichtig ist
Die Berufung kommt nicht aus dem Nichts. Anthropic hat bereits Partnerschaften mit Eli Lilly, Novo Nordisk und Genmab, um Medikamentenentwicklung mit KI zu beschleunigen. Narasimhan bringt genau die Erfahrung mit, die Anthropic braucht, um in regulierten Branchen ernst genommen zu werden.
Daniela Amodei brachte es auf den Punkt: ‘Leistungsstarke neue Technologie sicher und in großem Maßstab zu den Menschen zu bringen — daran denken wir jeden Tag.’ Narasimhan hat genau das jahrzehntelang in der Pharma-Industrie gemacht.
Board-Mehrheit für den Trust
Ein Detail, das leicht übersehen wird: Mit Narasimhans Ernennung haben die vom Long-Term Benefit Trust berufenen Direktoren jetzt die Mehrheit im Board. Der Trust ist Anthropics unabhängiges Gremium, das sicherstellen soll, dass das Unternehmen nicht nur wirtschaftlich erfolgreich ist, sondern auch seiner Mission treu bleibt — KI zum langfristigen Nutzen der Menschheit zu entwickeln. Die Trust-Mitglieder halten keine Anteile an Anthropic.
Im Board sitzen jetzt Dario Amodei, Daniela Amodei, Yasmin Razavi, Jay Kreps, Reed Hastings, Chris Liddell und Narasimhan.
Meine Einschätzung
Die Berufung zeigt, wohin Anthropic will: Healthcare und regulierte Industrien werden ein zentrales Geschäftsfeld. Und mit einem Pharma-CEO im Board signalisiert Anthropic Ernsthaftigkeit — nicht nur gegenüber Partnern, sondern auch gegenüber Regulierern. Dass der Trust jetzt die Board-Mehrheit hat, ist ein starkes Governance-Signal in einer Branche, die sich zunehmend Fragen nach Verantwortlichkeit stellen muss.
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