Anthropic hat eine weitere Copyright-Front – und diesmal kommt sie aus der Musikbranche. Am Freitag reichten 35 Musikverlage, angeführt von Sony Music Publishing und Warner Chappell Music, eine Klage beim Bundesgericht für den Northern District of California ein. Der Vorwurf ist deftig: eine “dreiste Kampagne” des Diebstahls geistigen Eigentums.
Konkret geht es darum, dass Anthropic urheberrechtlich geschützte Songs “illegal getorrentet, gescraped und heruntergeladen” haben soll, um damit die Claude-Modelle zu trainieren. Die Verlage führen konkrete Beispiele an, von “Ain’t No Mountain High Enough” über “Eye of the Tiger” bis “All I Want for Christmas Is You”. Dahinter stehen die vollständigen Songtexte und Notenblätter, nicht bloß die Titel. Und die Klage geht noch einen Schritt weiter: Auch die Mitgründer Dario Amodei und Benjamin Mann werden persönlich als Beklagte genannt.
Das Argument der Verlage geht über das reine Training hinaus. Sie behaupten, Claude könne geschützte Lyrics in Antworten reproduzieren – und damit lizenzierte Lyric-Dienste ersetzen und den Markt für von Menschen geschaffene Musik untergraben. Gefordert wird ein Geschworenenverfahren und gesetzlicher Schadensersatz von bis zu 150.000 Dollar pro verletztem Werk. Bei tausenden Kompositionen summiert sich das schnell in Milliardenhöhe, dazu kommen Ansprüche wegen entfernter Copyright-Informationen.
Anthropic hält dagegen: Man sei anderer Meinung und werde sich entschieden verteidigen.
Neu ist der Konflikt nicht. Anthropic hatte sich Anfang des Jahres mit Buchautoren verglichen – für rund 1,5 Milliarden Dollar, einer der größten Copyright-Vergleiche der KI-Ära. Die Musikverlage haben also gesehen, dass am Ende Geld fließen kann. Und sie kennen ihr Terrain: Lyrics sind ein Feld, auf dem die Rechteinhaber gut organisiert und klagefreudig sind.
Mich interessiert an diesen Fällen weniger die Empörung als die Grundsatzfrage dahinter. Wo endet erlaubtes Lernen aus Daten, und wo beginnt Reproduktion? Ein Modell, das aus Millionen Texten Muster zieht, ist etwas anderes als ein Modell, das auf Zuruf einen kompletten Songtext ausspuckt. Genau an dieser Grenze werden diese Verfahren entschieden – und das Ergebnis prägt, wie KI-Firmen in Zukunft an ihre Trainingsdaten kommen. Ein Vergleich wie bei den Autoren ist gut möglich. Spannender wäre ein Urteil, das die Linie mal wirklich zieht.
Quellen: TechCrunch · Music Business Worldwide