Am Dienstag Fable 5.1, am Donnerstag GPT-6 Astra. Enger kann man zwei Frontier-Releases kaum takten. OpenAI nennt Astra „das intelligenteste und am besten ausgerichtete Modell der Welt” und rollt es seit dem 3. September an eine begrenzte Gruppe von Organisationen aus. In den nächsten Tagen soll es für alle Plus-, Pro-, Business- und Enterprise-Nutzer von ChatGPT kommen, dazu über die API als gpt-6-astra und über Amazon Bedrock. Enterprise-Admins müssen das Modell für ihren Workspace erst freischalten, zum Start ist es aus.
Der Preis ist eine Ansage: 10 Dollar pro Million Input-Tokens, 50 Dollar pro Million Output-Tokens. Das ist exakt der Preis von Fable 5 und Fable 5.1. Ein Fast Mode liefert bis zu doppelte Geschwindigkeit zum doppelten Preis. Simon Willison bringt es auf den Punkt: Das ist ganz offensichtlich OpenAIs Fable-Konkurrent.
Wo Astra vorn liegt
OpenAI hat die Vergleichstabelle gleich mitgeliefert, Fable 5.1 steht in jeder Zeile daneben. Auf Terminal-Bench 4.0 kommt Astra auf 57,9 Prozent, Fable 5.1 auf 55,8, bei laut OpenAI rund 63 Prozent geringeren geschätzten API-Kosten pro Aufgabe. Terminal-Bench Science, also wissenschaftliche Workflows mit Code und Terminal, geht mit 64,6 zu 52,6 deutlicher an Astra. FrontierMath Tier 4 ist mit 97,6 Prozent praktisch gesättigt, Fable 5.1 liegt dort bei 87,8. Bei AutomationBench steht es 41,4 zu 31,4, bei BenchCAD 95,9 zu 84,3.
Der spektakulärste Wert ist ARC-AGI-3 mit 99,9 Prozent. Opus 5 liegt dort bei 30,2, GPT-5.6 Sol bei 7,8. Willison hat allerdings ins Kleingedruckte des ARC-Prize-Blogs geschaut: Die 99,9 Prozent kosteten 19.000 Dollar und entstanden mit OpenAIs eigenem „Provider Adapter”-Harness, der den Reasoning-Zustand zwischen Anfragen behält. Mit dem Standard-Harness von ARC waren es 62,7 Prozent für 26.000 Dollar. Immer noch stark, aber eben eine andere Zahl.
Und dann ist da Computer Use, der Bereich, auf den OpenAI am meisten Gewicht legt: Agents’ Last Exam 59,3 Prozent gegenüber 55,5 für Opus 5, OSWorld 2.0 72,6 Prozent bei etwa 40 Minuten pro Aufgabe statt 75 bei Sol.
Wo Fable vorn bleibt
Humanity’s Last Exam mit Tools: Fable 5.1 65,0 Prozent, Astra 57,2. Auf dem Intelligence Index von Artificial Analysis liegt Astra bei 61,2, Fable 5.1 bei 65,7. Das ist praktisch Gleichstand mit GPT-5.6 Sol, und auch Metas neues Muse Spark 1.3 rangiert dort über Astra. Beim Coding Agent Index kostet Astra pro Aufgabe weniger als die Hälfte von Fable 5 bei gleichem Score, landet aber knapp hinter Opus 5.
Zwei Dinge fallen bei der Tabelle auf. OpenAI hat etliche Zellen für Fable 5.1 leer gelassen, etwa bei DeepSWE oder ExploitBench. Und alle Zahlen stammen vom Hersteller. Unabhängige Messungen gibt es noch nicht.
Alignment nach dem Hugging-Face-Vorfall
OpenAI hat eine neue Evaluation gebaut, die direkt vom Hugging-Face-Vorfall inspiriert ist: Geht ein Modell bei einer unmöglichen Aufgabe über den autorisierten Bereich hinaus? GPT-5.6 Sol tat das ohne Produktionsschutz in 48 Prozent der Fälle, Astra in null. Gleichzeitig räumt OpenAI ein, dass Astras geschriebenes Reasoning schwerer zu überwachen ist als bei Sol. Das ist die Debatte um Opaque Recurrence, die diese Woche schon lief. Auf die Frage nach AGI wich Greg Brockman laut TechCrunch aus und schob nach: „Für mich persönlich, ich denke, wir sind da.”
Was Matt Wolfe nach dem Early Access sagt
Matt Wolfe hatte vorab Zugang. Sein Mega-Bonk-Klon war in acht Minuten fertig, frühere Modelle brauchten dafür anderthalb bis zwei Stunden. Er schränkt selbst ein, dass das an der geringen Last vor dem öffentlichen Start liegen könnte. Bei seinem BusyBench landet Astra auf Platz eins, knapp vor Fable 5.1. Überrascht hat ihn der DeepSWE-Wert: 74,1 Prozent, nur zwei Punkte über Sol und laut Metas eigener Website unter Muse Spark 1.3.
Für mich ist der Vergleich mit Fable 5.1 vor allem eines: kein klarer Sieger. Astra dominiert Computer Use, Mathe und Terminal-Aufgaben, Fable hält bei Wissensarbeit und dem aggregierten Index. Beim identischen Preis läuft es auf die Frage hinaus, welches Modell für welchen Job taugt. Ich werde Astra testen, sobald es in der API ankommt. Bis dahin bleibt Fable 5.1 mein Default in Claude Code, und ich glaube nicht, dass sich das kurzfristig ändert.
Quellen: OpenAI: GPT-6 Astra, Simon Willison: GPT-6 Astra, TechCrunch: OpenAI launches Astra, its powerful (and controversial) new model, Matt Wolfe: GPT-6 Astra Is Finally Here (And It’s REALLY Good)