Google baut seine KI-Spitze um — und zwar deutlich. In einem Blogpost hat CEO Sundar Pichai am 5. August gleich mehrere Wechsel angekündigt. Der auffälligste: Chefwissenschaftler Jeff Dean verlässt das Unternehmen nach 27 Jahren.
Wer geht, wer aufrückt
Jeff Dean gründet zusammen mit Google-Fellow Sanjay Ghemawat ein eigenes Startup namens Discovery Loop. Der Fokus: KI für Wissenschaft und Ingenieurwesen. Interessant für uns — das Startup wird, genau wie Anthropic und OpenAI, als Public Benefit Corporation aufgesetzt. Google steigt bei der neuen Firma als Investor ein, man geht im Guten auseinander. Pichai formuliert es so: Nach einem unglaublichen 27-Jahre-Lauf wolle Dean etwas Neues probieren.
Demis Hassabis, Mitgründer von DeepMind und seit der Übernahme 2014 das Gesicht von Googles KI, rückt in eine Chairman-Rolle auf und wird zusätzlich Chief Scientist von Alphabet. Er will sich künftig aufs große Ganze konzentrieren — strategische und globale KI-Fragen, gemeinsam mit Pichai. Die operative Leitung von Google DeepMind übernimmt CTO Koray Kavukcuoglu, der zum Chef der KI-Einheit befördert wird und direkt an Pichai berichtet. Er leitet aktuell die Entwicklung des nächsten Modells, Gemini 4.
Warum das über Google hinaus zählt
Die Börse reagierte prompt: Alphabets Aktie fiel am selben Tag um mehr als 4 Prozent. Kein Zufall in einer angespannten Lage — im jüngsten Quartalsbericht wurde Alphabet wegen der gewaltigen Investitionen in KI-Infrastruktur zum ersten Mal überhaupt cashflow-negativ.
Der Umbau passiert mitten im Rennen mit Anthropic, OpenAI und anderen um die nächsten Frontier-Modelle. Und genau deshalb ist das auch für Claude-Leser relevant: Wenn sich an der Spitze eines der drei großen Labore die Verantwortlichen neu sortieren, verschiebt sich das ganze Spielfeld.
Meine Einordnung
Personal ist Strategie. Dass Google einen wie Jeff Dean ziehen lässt, ist symbolisch — er hat Googles KI über Jahrzehnte mitgeprägt. Dass sein neues Vehikel eine PBC wird, ist ein kleiner, aber sprechender Seitenhieb: Die Struktur, die Anthropic und OpenAI populär gemacht haben, ist zum Standard für ambitionierte KI-Gründungen geworden.
Und dann ist da Kavukcuoglu, der jetzt DeepMind führt und gleichzeitig Gemini 4 verantwortet. Das ist kein Verwalter-Job, das ist eine Ansage. Ich lese das so: Google ordnet sich neu, um beim nächsten Modell-Sprung nicht zurückzufallen. Für uns bleibt spannend, ob dieser Umbau den Abstand zu Claude und GPT eher vergrößert oder verkleinert.
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