Auf der Google I/O im Mai stand Sundar Pichai auf der Bühne und kündigte Gemini 3.5 Pro an — und bat das Publikum dann, noch einen Monat zu warten. Im Saal soll es hörbares Stöhnen gegeben haben. Jetzt, Anfang Juni, ist dieser Monat fast um, und der Start rückt näher.
Was Gemini 3.5 Pro können soll
Die Eckdaten sind ambitioniert: ein Kontextfenster von zwei Millionen Token, ein eigener Deep-Think-Modus für anspruchsvolles Schlussfolgern und das, was Google als Frontier-Multimodalität bezeichnet — also nahtloses Arbeiten über Text, Bilder und andere Formate hinweg. Auf dem Papier zielt das direkt auf Claude Opus und GPT-5.5.
Da ist nur ein Haken
Verfügbar ist Gemini 3.5 Pro nämlich immer noch nicht. Stand Ende Mai lief es in einer begrenzten Vorschau für ausgewählte Vertex-Enterprise-Kunden. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für Juni angepeilt — aber ein konkretes Datum gibt es nicht. Die kleinere Variante, Gemini 3.5 Flash, ist seit Mai allgemein verfügbar und schon in Produktion. Das Pro-Modell, das eigentliche Schwergewicht, lässt weiter auf sich warten.
Meine Einordnung
Ankündigen und dann warten lassen — das ist riskant. In einem Markt, in dem Anthropic im Wochentakt neue Claude-Code-Versionen schiebt und OpenAI ständig nachlegt, fühlt sich ein Monat Wartezeit lang an. Google hat die Infrastruktur, die Cloud und die Bilanz, um den Preiskampf zu gewinnen. Aber Reichweite ersetzt kein verfügbares Modell.
Ich bin gespannt, ob die zwei Millionen Token in der Praxis halten, was sie versprechen — riesige Kontextfenster klingen großartig, bis man merkt, dass das Modell in der Mitte den Faden verliert. Wenn Google das löst, wird es für Anthropic und OpenAI ernst. Wenn nicht, ist es noch eine beeindruckende Zahl auf einer Folie.
Quellen: TechTimes, Google Blog