Manchmal ist ein Projekt einfach nur absurd cool. Puter hat Firefox nach WebAssembly kompiliert — der komplette Browser läuft in einem anderen Browser. Simon Willison hat es ausprobiert: sein Blog, laufend in Firefox, laufend in WebAssembly, laufend in Chrome.
Warum Firefox
Die Wahl fiel auf Firefox beziehungsweise Gecko, weil die Engine starken Single-Process-Support hat. Das ist die Voraussetzung dafür, dass so etwas überhaupt funktionieren kann — Chromiums Multi-Prozess-Architektur wäre in einer WASM-Sandbox ein deutlich härteres Problem.
Der Netzwerkteil ist der eigentliche Trick: Code im Browser kann keine beliebigen Netzwerkverbindungen aufmachen. Also läuft aller Traffic über ein WebSocket-Protokoll (Wisp) durch Puters Server. Klingt teuer — und war es offenbar auch: Das Team musste die Server hochskalieren, als die Hacker-News-Diskussion über das Projekt losging.
Willison hat sich die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung angesehen und bestätigt sie: Traffic zu seiner eigenen HTTPS-Seite war verschlüsselt, Anfragen an http://www.example.com/ lagen im Klartext.
Die Rechnung
Und jetzt der Teil, der mich hängen lässt. Das Projekt hat nach eigener Schätzung Claude-Opus- und Fable-Tokens im Wert von 25.000 Dollar verbraucht. Bezahlt wurde deutlich weniger — das Team hat einen Claude-Max-Plan genutzt.
Das ist die stille Geschichte hinter dem Projekt. 25.000 Dollar an API-Kosten wären für eine Machbarkeitsstudie mit dem Charakter “geht das überhaupt?” schlicht nicht darstellbar gewesen. Über ein Abo mit Pauschale war es machbar. Nicht das Modell hat dieses Projekt möglich gemacht, sondern das Preismodell.
Und das ist keine Nebensache. Es entscheidet, welche Experimente überhaupt jemand startet.
Meine Einordnung
Ein ganzer Browser als WASM-Blob ist die Art Ding, die vor drei Jahren eine mehrjährige Diplomarbeit gewesen wäre. Der Punkt ist nicht, dass Claude das allein gebaut hat — bei so einem Projekt steckt sehr viel menschliches Wissen über Gecko, Build-Systeme und Netzwerk-Proxying drin. Der Punkt ist, dass die Grenze verschoben wurde: von “wer traut sich, sechs Monate seines Lebens da reinzustecken” zu “lass es uns mal probieren”.
Genau das ist die Erfahrung, die ich mit Claude Code auch im Kleinen habe. Man startet mit einer Frage und landet irgendwo völlig anders. Nur eben mit einer Browser-Engine statt einem Wochenendskript.
Übrigens: Der Code liegt als firefox-wasm offen. Es gibt mit theogbob/WebkitWasm ein ähnliches Projekt, das WebKit nach WASM kompiliert — dort fehlt aber bisher eine erreichbare Online-Demo.
Quellen: