Wer KI-Modelle trainiert, braucht Strom. Viel Strom. Und genau da liegt das Problem: In den USA warten Rechenzentren teilweise Jahre, bis sie ans Stromnetz angeschlossen werden. Die Federal Energy Regulatory Commission (FERC) hat jetzt eingegriffen — mit einer Entscheidung, die den KI-Infrastrukturausbau fundamental verändern könnte.
Was passiert ist
Am 18. Juni hat die FERC einstimmig sogenannte ‘Show Cause Orders’ an sechs regionale Netzbetreiber erlassen — PJM, MISO, SPP, CAISO, ISO New England und NYISO. Texas (ERCOT) ist ausgenommen, weil es ein eigenständiges Netz betreibt.
Die Anordnung ist klar: Entweder die Netzbetreiber zeigen innerhalb von 60 Tagen, dass ihre bestehenden Regeln für Großverbraucher wie Rechenzentren ausreichen — oder sie schlagen Reformen vor. Zusätzlich müssen sie in 30 Tagen einen Bericht vorlegen, wie sie genügend Erzeugungskapazität für bestehende und zukünftige Großverbraucher sicherstellen wollen.
FERC-Chefin Laura Swett nannte die Integration von KI-Infrastruktur ins Stromnetz eine ‘nationale Priorität’.
Warum das wichtig ist
Die Zahlen sind beeindruckend — und besorgniserregend. Microsoft hat in den letzten 18 Monaten über 4 Gigawatt neue Kapazität aufgebaut. CoreWeave peilt 1,7 GW bis Ende 2026 an. Die Strompreise im Großhandel sind in manchen Regionen um bis zu 267% gestiegen.
Das normale Genehmigungsverfahren (Notice of Proposed Rulemaking) dauert Jahre. Die FERC hat diesen Prozess komplett übersprungen und stattdessen gezielte Anordnungen erlassen — ein ungewöhnlicher Schritt, der zeigt, wie dringend das Problem ist.
Die andere Seite
Während die FERC Rechenzentren den schnelleren Netzanschluss ermöglicht, fehlt eine Antwort auf die eigentliche Frage: Woher kommt der Strom? Ende 2023 waren die Anschlussanträge für Kraftwerke bereits größer als die gesamte bestehende Kraftwerkskapazität.
Gleichzeitig hat die Trump-Regierung am Tag vor der FERC-Entscheidung 765 Millionen Dollar an den Windparkentwickler Invenergy gezahlt — um Offshore-Wind-Projekte zu stoppen. Ein Projekt hätte bis zu 2,4 GW liefern können. Das ist genug, um 1,8 Millionen Haushalte zu versorgen.
Die FERC räumt also die Warteschlange auf — aber es stehen nicht genug Kraftwerke bereit, um die Nachfrage zu bedienen. Das wird noch spannend.
Quellen: TechCrunch, American Action Forum