Manchmal sagt ein kleines Experiment mehr als jede Benchmark. Am 5. August hat Simon Willison — einer der genauesten Beobachter der KI-Coding-Szene — ein spielbares Browsergame veröffentlicht, das komplett aus einem einzigen Prompt entstanden ist. Der Name: «Raccoon Heist». Man steuert eine Bande diebischer Waschbären und zieht einen Coup nach dem anderen durch, von der Bank bis zum Kunstraub.
Was er gemacht hat
Die Idee stammt aus einem alten Tweet von 2024 — ein Spielkonzept, das damals von GPT-3 generiert wurde. Willison wollte wissen, ob Claude Fable 5, laufend in Claude Code für den Browser, daraus ein fertiges Spiel bauen kann. Also: Screenshots des Konzepts hineingekippt, ein Prompt mit dem Auftrag «schreib daraus ein Spiel», und dann das Modell in Ruhe machen lassen.
Am Ende stand ein funktionierendes Spiel. Willison verlinkt sowohl die spielbare Version als auch das GitHub-Repository. Kein perfektes AAA-Werk, aber ein vollständiges, spielbares Ergebnis aus einem Durchlauf — genau das, was «One-Shot» meint: keine Zwischenschritte, kein Nachbessern von Hand.
Meine Einordnung
Warum ist das mehr als eine nette Spielerei? Weil es zeigt, wie sich der Anspruch verschoben hat. Vor nicht allzu langer Zeit war ein «One-Shot»-Programm ein Snake-Klon oder ein Taschenrechner. Jetzt ist es ein Spiel mit Spielmechanik, Zuständen und einer kleinen Story — aus einem einzigen Prompt.
Zwei Dinge nehme ich mit. Erstens: Fable 5 ist genau in dieser Disziplin stark — komplexe Aufgaben in einem Rutsch, ohne dass man es an der Hand führen muss. Zweitens ist Willisons Ansatz lehrreich für den Alltag. Er füttert das Modell mit visuellem Kontext (Screenshots) statt mit langen Spezifikationen und lässt es dann eigenständig arbeiten. Wer selbst mit Claude Code baut, kann sich davon etwas abschauen: Manchmal ist ein gutes Bild und ein klarer Auftrag mehr wert als seitenweise Anweisungen. Und ja — ich habe den Waschbären-Coup selbst gespielt. Macht Spaß.
Quellen: