Benchmarks sind das eine. Wie sich ein Modell im echten Einsatz anfühlt, das andere. Seit Fable 5 für alle verfügbar ist, haben die ersten Leute, deren Urteil ich ernst nehme, es ausprobiert — und die Eindrücke sind deutlich.
«Big Model Smell»
Simon Willison hat einen Begriff geprägt, der gut trifft: Fable 5 hat den «Big Model Smell». Damit meint er nicht nur Geschwindigkeit oder Preis, sondern wie viel das Modell schlicht weiß. Es fühlt sich an wie ein großes Modell — eines, das bei breiten Fragen seltener danebenliegt und mehr Kontext mitbringt, als man erwartet.
Die nüchternen Eckdaten dazu: ein Kontextfenster von einer Million Token, bis zu 128.000 Token Ausgabe und ein Wissensstand bis Januar 2026. Der Preis liegt bei 10 Dollar pro Million Input-Token und 50 Dollar pro Million Output-Token — also rund das Doppelte von Opus 4.8. Fable 5 ist stark, aber kein Schnäppchen.
Ein echter Versionssprung
Ethan Mollick, der KI seit Jahren in der Praxis beobachtet, formuliert es noch klarer: Fable 5 habe «praktisch jedes andere öffentliche Modell, das ich genutzt habe, deutlich übertroffen». Und Andrej Karpathy, seit Kurzem selbst bei Anthropic, nennt den Release einen «aufregenden» und «major-version-bump-würdigen» Schritt nach vorn. Im selben Atemzug warnt er aber: Das Modell habe «Eigenheiten, auf die Leute stoßen werden», und die Schutzmechanismen seien zum Start «etwas zu schießwütig» eingestellt.
Meine Einordnung
Das deckt sich mit dem, was ich beim Launch geschrieben habe: Der Vorsprung wächst mit der Komplexität der Aufgabe. Für eine schnelle Frage zwischendurch lohnt sich der Aufpreis nicht — da reicht Opus locker. Aber bei langen, mehrstufigen Sachen, bei denen viel Wissen und Durchhaltevermögen zusammenkommen müssen, merkst du den Unterschied sofort. Mein Rat: Nutz Fable 5 gezielt für die schweren Brocken und lass die Alltagsfragen beim günstigeren Modell. Und behalte die überempfindlichen Schranken im Hinterkopf — die kosten gerade noch Nerven.
Quellen: Simon Willison, Ethan Mollick, Anthropic