Letzte Woche kam Bun 1.4 raus. Das ist die Version mit dem großen Umbau: Die komplette Runtime wurde von Zig nach Rust portiert, über eine Million neue Zeilen Code. In der Community gab es vor allem Streit über den Sprachwechsel. Ich finde einen anderen Punkt spannender – nämlich, wie dieser Umbau überhaupt entstanden ist.
Getrieben hat ihn ein einziger Entwickler, Jarred Sumner. Sein Werkzeug: eine Vorabversion von Fable 5 und ein praktisch unbegrenztes Token-Budget. Er hat kein Zeile-für-Zeile-Rewrite gemacht, sondern ein Gerüst gebaut, in dem mehrere Agenten parallel die Zig-Basis nach Rust übersetzt haben. In elf Tagen kamen so 6.778 Commits zusammen. An API-Preisen gerechnet hätte das rund 165.000 Dollar gekostet. Der Merge, mit dem alles ans Licht kam, zeigte über eine Million eingefügte Zeilen.
Und der Code läuft. Nach dem ersten Wurf haben Agenten monatelang weiter getestet und nachgebessert, bevor Bun 1.4 offiziell freigegeben wurde. Genau dieses Modell nimmt Paul Dix zum Anlass für eine steile These. Dix baut Datenbanken, er ist Gründer und CTO von InfluxData. In seinem Essay ‘The end of programming’ schreibt er: Das Programmieren, wie wir es kennen – Code von Hand schreiben, von Kollegen Zeile für Zeile prüfen lassen – ist auf dem Weg zum Aussterben.
Sein Argument ist nicht, dass Menschen überflüssig werden. Sondern dass die schiere Menge an funktionierender Software, die Agenten produzieren, den handgeschriebenen Teil verdrängt. Wir bekommen mehr Software als je zuvor. Nur wird der meiste Code davon nicht mehr von Menschen geschrieben oder auch nur gelesen. Als Beleg zeigt Dix eine Kurve aus GitHubs Bericht zum Ausfall vom 17. August: Die Menge an gepushtem Code steigt seit letztem Jahr steil an.
Dix bleibt nicht bei fremden Beispielen. Er hat in einem InfluxDB-Fork selbst zwei größere Features so gebaut – eine Iceberg-Integration und ein System zur Datenreplikation zwischen Edge-Knoten. Architektur und Anforderungen kamen von ihm, den Rest übernahm Fable über Sub-Agenten, während er nur noch supervidiert hat. 14 Stunden für das eine, 28 für das andere. Danach ließ er es auf echter Infrastruktur laufen und Bugs selbst fixen.
Was mich daran hängen bleibt: Der Unterschied zwischen ‘Prototyp’ und ‘echter Software’ verschwimmt. Der Prototyp ist die funktionierende Software, und er wird nicht durch Code-Review besser, sondern durch Nutzung und Tests. Dix rechnet damit, dass wir Normalsterblichen dieses Arbeiten in ein, zwei Jahren auch haben – dann mit bezahlbaren Tokens statt sechsstelligen Rechnungen.
Ich bin da wie immer weder Euphoriker noch Schwarzseher. Aber der Bun-Umbau ist ein handfester Beweis dafür, was mit Fable-Intelligenz und genug Tokens heute schon geht. Und ehrlich: Das ist ein anderes Kaliber als ‘die KI hilft beim Prototyp’.
Quellen: Paul Dix: The end of programming · Simon Willison · Bun in Rust · Hacker News