Anthropic legt bei der Wissenschaft nach. Ab sofort gibt es 10.000 Plätze für Forschende weltweit, über einen neuen Claude Team Plan for Scientists. Der Standardplatz ist kostenlos, ein Premium-Platz mit fünffachem Nutzungslimit kostet 15 Dollar im Monat – jeweils für ein Jahr. Und das soll erst der Anfang sein: In den kommenden Monaten will Anthropic weit über die ersten 10.000 hinausgehen.
Der Hintergrund passt zu dem, was Anthropic seit Monaten aufbaut. Im Juni kam Claude Science, ein Produkt, das die üblichen Forschungswerkzeuge bündelt, nachvollziehbare Artefakte erzeugt und flexiblen Zugriff auf Rechenleistung gibt. Dazu läuft schon länger das AI-for-Science-Programm mit kostenlosen Credits. Bisher lag der Fokus stark auf der Biologie. Genau das ändert sich jetzt: Das Programm öffnet sich für andere Felder, auch für rechenintensive Projekte – von der Sorte, aus der Fortschritte wie die Arbeit an der Riemannschen Zeta-Funktion oder am Proteindesign entstanden sind.
Wer teilnehmen will, muss ein bisschen Aufwand mitbringen. Anmelden kann sich, wer als Principal Investigator oder Äquivalent an einer akademischen oder gemeinnützigen Einrichtung arbeitet. Nach der Verifizierung lassen sich dann die Leute aus dem eigenen Labor dazuholen. Reichen die Credits nicht, kann man sich fürs AI-for-Science-Programm bewerben – bis zu 50.000 Dollar pro Projekt, und bewerben darf sich jeder Forschende.
Eine Grenze bleibt bewusst bestehen. In Biologie und Chemie sind die Anfragen weiter auf die Opus-Modelle beschränkt. Die Fable-Modelle blocken professionelle Biologie- und Wirkstoff-Anfragen, wegen der Dual-Use-Risiken. Für den Zugang zu den stärkeren Mythos-Modellen für die Life Sciences arbeitet Anthropic mit der US-Regierung an einem eigenen Programm und hat gerade die ersten Teilnehmer aufgenommen.
Mich überzeugt an dem Schritt vor allem die Richtung. Kostenlose Plätze für Forschende sind kein reines Wohltätigkeitsprojekt – wer Claude früh im Labor nutzt, bleibt dabei. Aber die Rechnung geht für beide Seiten auf. Ein Postdoc mit knappem Budget bekommt ein Werkzeug, das sonst schnell teuer wird. Und die Fälle, in denen KI beim Rechnen und Auswerten echte Zeit spart, häufen sich gerade. Wenn dabei ein Bruchteil der Beschleunigung herauskommt, die Anthropic verspricht, ist das ziemlich viel.
Quellen: Expanding our support for scientists (Anthropic) · Claude team plan for scientists