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Claude Science: eine KI-Werkbank für Forscher

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Anthropic bündelt Datenbanken, Rechencluster und Fachwissen in einer App. Ein Reviewer-Agent prüft Zitate und Rechnungen — und jede Grafik trägt den Code, der sie erzeugt hat.

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Neben Sonnet 5 hat Anthropic am 30. Juni noch etwas Zweites vorgestellt: Claude Science, eine KI-Werkbank für Forscher. Die Idee ist simpel und trifft einen echten Schmerzpunkt — wissenschaftliche Arbeit ist oft zäh. Forscher jonglieren mit Dutzenden Datenbanken, jede mit eigenem Schema, springen zwischen PubMed, Jupyter, R und dem Cluster-Terminal hin und her und bauen für jedes Dateiformat eigene Pipelines.

Alles in einer Umgebung

Claude Science bringt diese zerstückelten Werkzeuge in eine einzige Forschungsumgebung. Man analysiert Literatur, führt mehrstufige Analysen aus, erzeugt Grafiken und Manuskripte und verfeinert sie iterativ bis zur Publikationsreife. Der Clou: Jedes Ergebnis trägt eine nachvollziehbare Historie — den exakten Code, die Umgebung und den kompletten Nachrichtenverlauf. So lässt sich jedes Resultat auch Monate später validieren und reproduzieren.

Wie ein Jupyter Notebook läuft die App dort, wo man ohnehin arbeitet: lokal auf macOS oder Linux, oder über SSH auf einer entfernten Maschine beziehungsweise einem HPC-Login-Node. Sensible Datensätze müssen die eigenen Systeme nie verlassen — nur der jeweils nötige Kontext wird an Claude geschickt.

Fachagenten, Rechenleistung und ein Prüfer

Der Nutzer arbeitet mit einem koordinierenden Agenten, der auf über 60 kuratierte Skills und Connectoren zugreift — vorkonfiguriert für Genomik, Single-Cell, Proteomik, Strukturbiologie und Cheminformatik. Diese Agenten können weitere Agenten starten. Für die Rechenlast plant Claude Science selbst: Es entwirft einen Job, fragt nach, bevor es neue Ressourcen anfasst, und skaliert von einer GPU auf hunderte — über das eigene HPC-Cluster oder einen Modal-Account.

Besonders klug ist der Reviewer-Agent. Er prüft die Ergebnisse, markiert falsche Zitate, nicht nachvollziehbare Zahlen und Grafiken, die nicht zum Code passen — und korrigiert sich unterwegs selbst. Über NVIDIAs BioNeMo Agent Toolkit sind Modelle wie Evo 2, Boltz-2 und OpenFold3 nativ angebunden.

Was Forscher schon damit machen

Anthropic nennt konkrete Beispiele. Ein Neurowissenschaftler am Allen Institute baute eine Multi-Agenten-Vorlage aus rund 20 Skills, um lange Fachreviews zu schreiben. Was früher bis zu zwei Jahre dauerte, liefert jetzt rund zehn Reviews mit über 100 Seiten und geprüften Zitaten. Ein Epidemiologe der UCSF verkürzte umfassende Germline-Analysen zu Hirntumoren auf etwa ein Zehntel der bisherigen Zeit — und validierte die Ergebnisse unabhängig.

Claude Science startet als Beta für Pro, Max, Team und Enterprise auf macOS und Linux. Für Forschungslabore gibt es vergünstigte Team-Seats, und Anthropic fördert bis zu 50 Projekte mit je bis zu 30.000 Dollar Guthaben; Bewerbungen laufen bis 15. Juli.

Meine Einordnung

Das ist die vielleicht konkreteste ‘KI beschleunigt Wissenschaft’-Geschichte, die ich seit Langem gesehen habe. Nicht ‘irgendwann heilt KI Krebs’, sondern: Ein Prüf-Agent fängt falsche Zitate ab, und eine Analyse, die vorher Monate brauchte, läuft in Tagen. Der auditierbare Verlauf ist dabei fast wichtiger als die Geschwindigkeit — denn ohne Reproduzierbarkeit ist schnelle Wissenschaft nur schneller falsch.


Quellen: Anthropic: Claude Science, CNBC, Bloomberg