Anthropic hat am 1. September Fable 5.1 und Mythos 5.1 vorgestellt. Klingt erst mal nach einem kleinen Punkt-Update, ist aber das neue Spitzenmodell. Und die beiden sind technisch identisch: gleiches Modell, nur mit unterschiedlichen Schutzmechanismen. Fable 5.1 ist für alle da, Mythos 5.1 gibt es nur über geprüfte Zugangsprogramme für Cybersecurity- und Life-Sciences-Fachleute, vorerst nur für US-Organisationen.
Fangen wir beim Preis an, weil der die meisten sofort betrifft. Fable 5.1 kostet pro Token dasselbe wie Fable 5: zehn Dollar pro Million Input, fünfzig pro Million Output. Aber die Cache-Reads – also das erneute Einlesen von Kontext, den das Modell schon verarbeitet hat – sind um 75 Prozent günstiger geworden, auf 25 Cent pro Million Token. Für normale Arbeit landet man dadurch bei etwa 25 Prozent weniger Kosten, bei sehr agentischen Aufgaben mit viel Kontext sogar bei bis zu 45 Prozent. Genau die Workloads, die bisher teuer waren, werden also spürbar billiger.
Bei den Benchmarks setzt sich das Modell klar ab. Auf Terminal-Bench-Science kommt Fable 5.1 auf 52,6 Prozent, während Fable 5 bei 24,7 und Opus 5 bei 29 lagen. Auf Humanity’s Last Exam sind es 60,9 Prozent ohne Tools, auf CursorBench 73,4. Zahlen sind das eine. Spannender finde ich die Anekdote der Investmentfirma Millennium: Ein extrem seltener Absturz, etwa einer pro Million Läufe, den in vier bis fünf Jahren niemand erklären konnte, kein Mensch und kein anderes Modell. Fable 5.1 hat eine fremde Vendor-Bibliothek disassembliert, mit dem Core-Dump abgeglichen und den Fehler gefunden.
Der Teil, der mich am meisten überrascht hat, ist die Forschung. Mythos 5.1 hat Protein-Binder entworfen, deren Bindungsstärke bei drei Zielen zehnmal höher lag als die besten Einreichungen in einem offenen Design-Wettbewerb. Die Trefferquote lag bei fast 50 Prozent über zwölf Ziele – üblich sind heute 10 bis 15. Fable 5.1 hat außerdem aus alten Radardaten der Magellan-Mission eine neue Höhenkarte für ein Drittel der Venus trainiert, die Anthropic unter freier Lizenz veröffentlicht. Das ist kein Marketing-Demo, das sind Ergebnisse, die man nachlesen und nachnutzen kann.
Bei der Sicherheit hat sich einiges bewegt. Mit den Enterprise Frontier Safeguards können Firmen ihre Daten auf der eigenen Cloud behalten, faktisch Zero Data Retention, das rollt ab Herbst aus. Die Cyber-Schutzmechanismen greifen jetzt rund 60 Prozent seltener ein, und Fable 5.1 darf erstmals Software-Schwachstellen finden, wenn auch keine Exploits dafür bauen. In der Biologie feuern die Filter bei harmlosen Fragen 85 Prozent seltener.
Mein Eindruck: Das ist eines der selteneren Releases, bei denen mehr Leistung und weniger Kosten zusammenkommen, statt gegeneinander zu laufen. Wer Opus 5 als täglichen Begleiter hatte, hat jetzt einen sehr guten Grund zu wechseln. Und die Forschungsbeispiele deuten an, wohin die Reise geht – da wird ein Werkzeug langsam zum Kollegen.
Quellen: Anthropic: Introducing Claude Fable 5.1 and Mythos 5.1 · 9to5Mac · MacRumors