Anthropic hat gestern Claude Corps vorgestellt – ein nationales Fellowship-Programm in den USA, das auf den ersten Blick gar nicht nach einem KI-Unternehmen klingt. Statt eines neuen Modells oder einer API gibt es diesmal: Menschen, die zu gemeinnützigen Organisationen geschickt werden.
Worum es geht
Der Plan ist groß. Anthropic will 1.000 Nachwuchskräfte ausbilden, ihnen beibringen, wie man Claude richtig einsetzt, und sie dann für ein volles Jahr – Vollzeit, vor Ort – bei Non-Profits in ganz Amerika unterbringen. Die Fellows bekommen 85.000 Dollar Jahresgehalt plus Benefits, einen Mentor von CodePath und ein großzügiges Token-Budget für Claude.
Anthropic steckt zunächst 150 Millionen Dollar in das Programm. Umgesetzt wird es als Partnerschaft: Anthropic finanziert und liefert die Claude-Expertise, CodePath ist offizieller Arbeitgeber der Fellows, und Social Finance übernimmt Messung und Evaluation.
Warum macht Anthropic das?
Die Begründung ist bemerkenswert offen. Anthropic schreibt, die Vorteile transformativer KI könnten mit erheblichen Verwerfungen einhergehen – und die Unternehmen, die diese Technologie bauen, hätten die Verantwortung, direkt in die Menschen zu investieren, die den Wandel auffangen müssen.
Mit anderen Worten: Anthropic sagt ziemlich direkt, dass seine eigene Technologie Jobs verändern wird. Und versucht, einen Teil davon abzufedern. Das Fellowship wird zusammen mit einem politischen Rahmenpapier zu KI und Arbeit angekündigt.
Wer kann mitmachen
Die ersten 100 Plätze starten im Oktober 2026, Bewerbungen laufen noch bis zum 17. Juli. Bewerben kann sich jeder über 18 mit weniger als zwei Jahren Vollzeit-Berufserfahrung – unabhängig vom Bildungshintergrund. Voraussetzung: Arbeitserlaubnis in den USA und die Bereitschaft, bei Bedarf umzuziehen. Mindestens 400 Non-Profits sollen Fellows aufnehmen, darunter Tafeln, Veteranenorganisationen und Bildungsinitiativen.
Meine Einordnung: Das ist ein cleverer Schachzug – und ich meine das nicht zynisch. Anthropic positioniert sich seit Monaten als das KI-Labor, das die gesellschaftlichen Folgen ernst nimmt. Claude Corps macht das konkret: echte Stellen, echtes Geld, echte Organisationen. Ob 1.000 Fellows den Strukturwandel auffangen, den dieselbe Firma mit beschleunigt? Sicher nicht. Aber als Modell, das sich skalieren und in anderen Ländern kopieren lässt, ist es deutlich mehr als ein PR-Gag. Spannend wird, ob die versprochene Open-Source-Infrastruktur wirklich kommt.
Quellen: Anthropic: Introducing Claude Corps, Washington Post