Am Dienstagnachmittag (16. Juni) war Claude wieder nicht erreichbar wie gewohnt. Um 17:29 UTC begannen Fehler bei Claude Opus 4.8 und Haiku 4.5, betroffen waren claude.ai, die Claude API, Claude Code und Claude Cowork. Ein erster Fix wurde gemeldet — und kassiert: Die Fehler hielten an. Es war der zehnte größere Ausfall seit dem 5. Juni.
Ein Muster, kein Zufall
Die unabhängige Überwachung von StatusGator listet eine ernüchternde Serie: Störungen am 5., 7., 8., 9. (gleich zweimal), 10., 11. (zweimal), 13. und 15. Juni. Macht im Schnitt etwa einen größeren Ausfall pro Tag. Zum Vergleich: Enterprise-Cloud-Anbieter garantieren üblicherweise 99,9 Prozent Verfügbarkeit oder mehr. Davon ist Claude in diesem Juni weit entfernt.
Die Ursache hat einen Namen: Erfolg
So paradox es klingt — der Auslöser ist Wachstum. Anthropics auf das Jahr hochgerechneter Umsatz stieg von 9 Milliarden Dollar Ende 2025 auf über 30 Milliarden Dollar Anfang April 2026. Die Zahl der Enterprise-Kunden, die mehr als eine Million pro Jahr ausgeben, verdoppelte sich in unter zwei Monaten von 500 auf 1.000. Schon im April hatte Anthropic gegenüber Fortune eingeräumt: «Die Nachfrage nach Claude ist beispiellos gewachsen, und unsere Infrastruktur wurde gedehnt, um mitzuhalten — besonders zu Spitzenzeiten.» Die angekündigte Mehrkapazität über Amazon und Google ist noch nicht da.
Warum das für Claude-Code-Teams besonders weh tut
Für Einzelnutzer ist ein Ausfall ärgerlich. Für Teams, die Claude Code in automatisierte Pipelines eingebaut haben, ist er etwas anderes. Laut einem SemiAnalysis-Bericht macht Claude Code rund vier Prozent aller öffentlichen GitHub-Commits aus — über 135.000 pro Tag. Wenn ein Ausfall mitten in einem mehrstufigen, autonomen Lauf zuschlägt, pausiert die Pipeline nicht, sie scheitert. Oft bleibt nur manuelles Aufräumen.
Meine Einordnung
Das ist die Schattenseite einer Erfolgsgeschichte. Anthropic hat ein Produkt gebaut, das Menschen wirklich nutzen wollen — und genau das überrollt gerade die eigene Technik. Was mir fehlt, ist Transparenz: Bislang gibt es keine öffentlichen Post-Mortems zu den Juni-Störungen, nur rollende Status-Updates. Für ein Unternehmen, das «Verlässlichkeit» und «Verantwortung» so betont, ist das zu wenig. Der Rat für Entwickler bleibt nüchtern: Verlasse dich nicht auf einen einzigen Endpunkt. Bedrock und die direkte API laufen auf getrennter Infrastruktur — manchmal hilft schon der Wechsel.
Quellen: Tech Times, status.claude.com, PYMNTS