Es gibt einen neuen Trend in der KI-Branche, und er hat Milliarden-Dimensionen: Die klügsten Köpfe von OpenAI, DeepMind, Anthropic und xAI kündigen — und gründen Wochen später eigene Unternehmen, die sofort mit absurden Summen finanziert werden.
Die Zahlen
Laut CNBC haben Investoren allein 2026 bereits 18,8 Milliarden Dollar in KI-Startups gesteckt, die seit Anfang 2025 gegründet wurden. Das ist auf dem besten Weg, die 27,9 Milliarden zu übertreffen, die im gesamten Jahr 2025 in vergleichbare Neugründungen flossen.
Die prominentesten Beispiele der letzten Wochen: David Silver, der Mann hinter AlphaZero bei DeepMind, sammelte eine Rekordsumme von 1,1 Milliarden Dollar als Seed-Runde für sein erst wenige Monate altes Startup ‘Ineffable Intelligence’. Tim Rocktäschel, ebenfalls ein ehemaliger DeepMind-Forscher, soll gerade bis zu einer Milliarde für sein Startup ‘Recursive Superintelligence’ einwerben.
Bei OpenAI sind zuletzt Bill Peebles und Kevin Weil gegangen — Peebles leitete Sora, Weil war Vice President for Science. Beide gelten als potenzielle Gründer eigener Labs.
Warum sie gehen
Der Kern des Problems: Die großen KI-Labs fokussieren sich zunehmend auf kommerzielle Ziele. OpenAIs Bewertung von über 850 Milliarden Dollar, Anthropics Umsatzwachstum von 9 auf 30 Milliarden ARR in einem Jahr, Metas Milliarden-Infrastrukturpläne — all das schafft Druck, der mit freier Forschung schlecht vereinbar ist.
Gleichzeitig war es noch nie so einfach, als KI-Forscher ein eigenes Unternehmen zu gründen. Die Investoren stehen Schlange. Wer einen starken Track Record bei einem der großen Labs vorweisen kann, hat seinen Term Sheet praktisch in der Tasche, bevor das Unternehmen überhaupt eine Webseite hat.
Was das bedeutet
Für die etablierten Labs ist der Talentschwund ein echtes Problem. Die Modelle werden immer komplexer, die Teams müssen immer spezialisierter sein — und genau diese Spezialisten wandern ab.
Für die Branche insgesamt könnte es aber positiv sein. Mehr unabhängige Labs bedeuten mehr Ansätze, mehr Experimente, mehr Diversität in der Forschung. Nicht jeder wird erfolgreich sein, aber der Wettbewerb belebt das Geschäft. Und vielleicht entstehen aus diesen Startups die nächsten großen Durchbrüche — jenseits der immer gleichen Skalierungs-Strategie der Großen.
Quellen: CNBC — Big Tech staff leaving for AI startups, TechCrunch — Musk relitigates an old friendship