Vor zwei Jahren integrierte Apple ChatGPT ins iPhone. Jetzt verklagt der Konzern OpenAI vor einem Bundesgericht in Nordkalifornien — wegen des mutmaßlichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen. Und im selben Atemzug wird klar: Das runderneuerte Siri, das im Herbst kommt, setzt nicht auf OpenAI, sondern auf Google Gemini.
Was Apple vorwirft
Die Sprache in der Klageschrift ist ungewöhnlich scharf. OpenAI habe «auf jeder Ebene, von Mitarbeitern des Technical Staff bis hin zum Chief Hardware Officer», Apples vertrauliche Informationen abgegriffen — um eigene Consumer-Hardware zu bauen.
Im Zentrum steht Tang Tan, OpenAIs Hardware-Chef und früherer Apple-Vizepräsident. Er soll Apple-Mitarbeiter, die sich bei OpenAI bewarben, im Bewerbungsprozess dazu gebracht haben, interne Geheimnisse preiszugeben. Ein ehemaliger Apple-Angestellter soll dutzende vertrauliche Hardware-Dateien heruntergeladen haben — darunter Detailinfos zu unveröffentlichten Produkten, Engineering-Präsentationen und technische Spezifikationen.
Der eigentliche Paukenschlag: Siri wechselt zu Gemini
Fast noch spannender als die Klage ist die Bestätigung nebenbei: Apples neues Siri, das im Herbst erscheinen soll, basiert auf Googles Gemini-Modellen — nicht mehr auf ChatGPT. Damit endet die Spekulation, ob OpenAI zentraler Baustein von Apple Intelligence bleibt. Die Antwort ist ein klares Nein.
Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende. 2024 hatten beide Konzerne noch eine viel beachtete Partnerschaft geschlossen. Jetzt: Klage auf der einen, Google auf der anderen Seite.
Meine Einordnung
Zwei Dinge fallen mir auf. Erstens: Der KI-Wettlauf ist längst auch ein Hardware-Wettlauf. Es geht nicht mehr nur um Modelle, sondern um Geräte — und Apple verteidigt sein Kernrevier mit harten Bandagen. Eine Klage dieser Tonalität wählt man nicht leichtfertig.
Zweitens, und für uns hier relevanter: Anthropic taucht in diesem Poker gar nicht auf. Apple wählt Google, nicht Claude. Die großen Plattform-Deals — wer steckt in welchem Betriebssystem — werden gerade verteilt, und Anthropic setzt bewusst auf andere Kanäle: Enterprise, Coding, Government. Ob das die klügere Wahl ist, sehen wir in ein, zwei Jahren.
Quellen: