Manchmal sagt eine einzige Tabelle mehr als ein ganzer Geschäftsbericht. Diese Woche liefert die Financial Times ein paar Zahlen aus Anthropics Umfeld, und Simon Willison hat sie mit einer zweiten Quelle verknüpft, die mich fast noch mehr interessiert.
Erst das Geld. Anthropics auf das Jahr hochgerechneter Umsatz lag im Juli bei rund 65 Milliarden Dollar. Im Mai waren es 47. Das dritte Quartal soll profitabel werden – nach derselben Rechnung, mit der schon das zweite als profitabel galt. 6.000 Kunden geben pro Jahr mindestens 100.000 Dollar aus. Auch OpenAI wächst: über 40 Milliarden, ein Plus von 35 Prozent im laufenden Quartal, angeschoben vom GPT-5.6-Start im Juli.
Die Zahl, die hängen bleibt
Wirklich aufschlussreich ist nicht der Umsatz, sondern wofür die Leute zahlen. Der Ramp AI Index wertet die Kartenabrechnungen von 70.000 Firmen aus und schätzt daraus, welche Modelle im Einsatz sind. Für Juli sieht Anthropics Verteilung so aus:
- Opus 4.8: 28,0 %
- Sonnet 4.6: 8,3 %
- Fable 5: 8,0 %
- Opus 4.6: 6,9 %
- Sonnet 5: 3,6 %
- Opus 5: 3,5 %
Fällt dir was auf? Das mit Abstand meistgenutzte Modell ist Opus 4.8 – vorgestellt Ende Mai. Das brandneue Opus 5, erst am 24. Juli erschienen, kommt auf magere 3,5 Prozent. Und Fable 5, das teuerste Topmodell im Programm, liegt bei 8 Prozent.
Meine Einordnung
Das Muster ist ziemlich eindeutig: Firmen greifen zum bewährten Arbeitspferd, nicht zum teuersten Neuzugang. Ein Modell muss sich seinen Platz erst verdienen, und das dauert. Opus 5 ist noch keinen Monat alt, viele Teams haben ihre Pipelines schlicht noch nicht umgestellt. Und wer Fable 5 ausprobiert hat, merkt schnell, was der Preis mit der Rechnung macht.
Für Anthropic ist das kein Drama, der Umsatz stimmt ja. Aber es zeigt, wie wenig der Hype um das jeweils neueste Spitzenmodell mit dem Alltag zu tun hat. Da draußen läuft die Arbeit auf Modellen, die gut genug sind und bezahlbar bleiben. Teuer und brandneu ist ein Verkaufsargument – kein Nutzungsargument.
Quellen: