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Anthropic jagt chinesische Schlupflöcher — und sperrt Ant, ByteDance & Co. aus

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Die Financial Times enthüllt: Chinesische Tech-Riesen nutzen Singapur-Töchter und VPNs, um an Claude zu kommen. Anthropic dreht ihnen jetzt den Hahn zu.

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Die Financial Times hat am 3. Juli eine Geschichte aufgedeckt, die zeigt, wie ernst die geopolitische Lage rund um KI-Modelle inzwischen ist: Chinesische Unternehmen haben kreative Wege gefunden, um trotz Nutzungsbeschränkungen an Claude heranzukommen — und Anthropic geht jetzt aktiv dagegen vor.

Was genau passiert ist

Ant Financial, die Finanzsparte von Alibaba, hat Mitarbeitern Claude-Accounts über eine Tochterfirma in Singapur bereitgestellt. Technisch gesehen nutzt nicht das chinesische Unternehmen Claude, sondern eine separate Auslandsgesellschaft — eine rechtliche Grauzone.

ByteDance ging einen anderen Weg: Ingenieure bekamen persönliche Claude-Abonnements erstattet, die sie über VPNs nutzten. Von außen sah das wie normaler Consumer-Traffic aus, nicht wie Firmennutzung.

Daneben gab es Zugriffe über Cloud-Plattformen wie Microsoft Azure, wo Firmen Claude-API-Zugang über im Ausland registrierte Proxy-Unternehmen kauften.

Warum das ein Problem ist

Das ist nicht nur ein Verstoß gegen Anthropics Nutzungsbedingungen. Anthropic hat dem US-Senat in einem Brief beschrieben, dass zwischen April und Juni 2026 rund 25.000 betrügerische Accounts entdeckt wurden, die insgesamt 28,8 Millionen Anfragen an Claude gestellt haben — systematisch, um die Fähigkeiten des Modells zu extrahieren. Stichwort: Destillation.

Kurz gesagt: Unternehmen zapfen Claude an, um die gewonnenen Daten in ihre eigenen Modelle fließen zu lassen.

Was Anthropic dagegen tut

Die Gegenmaßnahmen sind mittlerweile konkret: Anthropic überwacht unter anderem die Zeitzonen der Rechner, die auf Claude zugreifen. Wenn ein Account auf eine Singapur-Firma registriert ist, die Anfragen aber konsistent aus der chinesischen Zeitzone kommen, fällt das auf.

Dazu kommen Maßnahmen gegen sogenannte Transfer Stations — Dienste, die Anfragen über Auslands-Accounts weiterleiten.

Einordnung

Die Geschichte zeigt ein grundsätzliches Dilemma: In einer globalisierten Wirtschaft mit verschachtelten Unternehmensstrukturen lässt sich der Zugang zu einem Softwareprodukt nur schwer geografisch beschränken. Anthropics Nutzungsbedingungen verbieten chinesischen Unternehmen und ihren kontrollierten Auslandsgesellschaften die Nutzung — aber was genau ‘kontrolliert’ bedeutet, wenn eine Singapur-Tochter formell eigenständig ist, ist juristisch nicht trivial.

Für Anthropic steht viel auf dem Spiel. Die Fable-5-Exportkontrolle im Juni hat gezeigt, wie schnell die US-Regierung reagiert, wenn der Verdacht besteht, dass Modelle in falsche Hände geraten. Proaktiv gegen Schlupflöcher vorzugehen, ist auch eine Botschaft an Washington: Wir nehmen das ernst.

Quellen: