Ein Bitcoin-Miner wird zum Rechenzentrums-Vermieter, und Anthropic ist der Mieter. Riot Platforms hat am Montag einen Vertrag über 20 Jahre bekanntgegeben: 191 Megawatt IT-Leistung vom Campus in Rockdale, Texas, für ein «führendes Frontier-KI-Unternehmen». Kurz danach war klar, wer gemeint ist – Anthropic.
Die Zahlen
Der Grundvertrag hat einen Wert von rund 9,1 Milliarden Dollar und läuft bis Juni 2048. Zwei Verlängerungsoptionen über je fünf Jahre könnten das Volumen auf 16,1 Milliarden treiben. Riot baut die Kapazität stufenweise auf: 96 Megawatt bis Dezember 2027, die vollen 191 Megawatt bis Juni 2028.
Um eine Größenordnung zu haben: 191 Megawatt reichen, um gut 143.000 Haushalte gleichzeitig zu versorgen. Diese Leistung geht künftig nicht in Strom fürs Wohnzimmer, sondern in Chips, die Claude trainieren und ausführen.
Die Börse reagierte prompt. Die Riot-Aktie sprang nachbörslich um 25 Prozent. Für eine Firma, die ihr Geschäft gerade vom Schürfen digitaler Münzen auf das Vermieten von KI-Infrastruktur umbaut, ist so ein Anker-Mieter Gold wert.
Der dritte Deal in drei Monaten
Bemerkenswert ist weniger der einzelne Vertrag als das Muster. Es ist Anthropics dritte große Compute-Beschaffung innerhalb von drei Monaten. Zusammengerechnet stehen inzwischen über 60 Milliarden Dollar an Verpflichtungen im Raum. Erst letzte Woche lief die Sache mit den eigenen Rechenzentren unter dem Namen Theseus, jetzt kommt Riot obendrauf.
Dahinter steckt eine simple Rechnung: Anthropics Umsatz wächst schneller, als sich Rechenleistung aus dem Boden stampfen lässt. Wer bei diesem Tempo mithalten will, muss Kapazität für Jahre im Voraus sichern – auch dort, wo bis vor kurzem noch Bitcoin geschürft wurde.
Meine Einordnung
Dass ausgerechnet ein Krypto-Miner zum KI-Vermieter wird, hat etwas Ironisches. Beide Branchen fressen Strom, beide brauchen große Hallen voller Hardware in der texanischen Ödnis. Der Wechsel vom einen zum anderen ist kürzer, als man denkt.
Interessanter finde ich die Richtung, in die das zeigt. Rechenleistung ist der Engpass dieser Ära, nicht das Modell an sich. Anthropic bindet sich bis 2048 – das ist ein längerer Zeithorizont, als die meisten von uns über ihre eigene Karriere nachdenken. Wer solche Verträge unterschreibt, glaubt nicht an einen kurzen Hype. Der plant für Jahrzehnte.
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