Anthropic hat im ersten Quartal 2026 einen neuen Lobbying-Rekord aufgestellt: 1,6 Millionen Dollar flossen in die politische Einflussnahme in Washington. Das ist nicht nur ein Firmenrekord, sondern auch deutlich mehr als OpenAIs 1 Million Dollar im gleichen Zeitraum. Das berichtet Axios unter Berufung auf Lobbying-Offenlegungen.
Worum es beim Lobbying geht
Die Themen überraschen nicht, wenn man die letzten Wochen verfolgt hat: KI-Beschaffung, Verteidigungsministerium, Lieferkettenrisiko und — das Kernthema — die ‘Acceptable Use Policy’. Genau dieser Punkt steht im Zentrum des Konflikts zwischen Anthropic und dem Pentagon.
Zur Erinnerung: Das Pentagon hatte Anthropic als Lieferkettenrisiko eingestuft, weil das Unternehmen sich weigert, Claude für ‘alle rechtmäßigen Zwecke’ freizugeben — darunter potenziell autonome Waffensysteme und Massenüberwachung. Anthropic zog vor Gericht und bekam zunächst eine einstweilige Verfügung. Letzte Woche signalisierte Trump dann, dass eine Einigung möglich sei.
Ballard Partners: Trump-nahe Lobbyisten an Bord
Wenige Tage nach der Pentagon-Einstufung holte Anthropic die Lobbyingfirma Ballard Partners an Bord — die größte Lobbyingfirma in Washington mit engen Verbindungen zur Trump-Administration. Ein klares Signal, dass Anthropic den politischen Kampf ernst nimmt.
Nicht nur Washington: Illinois als Nebenschauplatz
Parallel zum Bundeskonflikt engagiert sich Anthropic auch auf Staatsebene. In Illinois lobbyiert das Unternehmen gegen einen KI-Haftungsgesetzentwurf (SB 3444) — interessanterweise auf der gegenüberliegenden Seite von OpenAI, das den Entwurf unterstützt.
Was das bedeutet
Dass Anthropic seine Lobbying-Ausgaben derart hochfährt, zeigt zweierlei: Erstens, wie existenziell der Pentagon-Streit für das Unternehmen ist. Ohne Zugang zu Regierungsaufträgen fehlt ein riesiger Markt. Zweitens, wie schnell KI-Unternehmen zu klassischen politischen Akteuren in Washington werden — mit allem, was dazugehört.
Die Ironie: Anthropic wurde als Unternehmen gegründet, das KI-Sicherheit über alles stellt. Jetzt gibt es Millionen aus, um in Washington genau diese Position zu verteidigen.
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